Mein Traum – 1 Million Unterschriften und das mal 2

Was für eine Woche! Zuerst Schwerin mit all den Erlebnissen und den vielen Betroffenen an meinem Stand. Dann der Kongress MitSprache mit dem  UBSKM und dem Betroffenenrat. So viele Emotionen in so komprimierter Zeit hinterlassen Spuren. Zur Krönung die Gedenkminute mit so vielen Mitstreitern am Deutschen Bundestag. Für die, die es nicht überlebt haben. Seither habe ich einen wirren Traum: Stellt euch vor, wir haben 1.000.000 Unterschriften auf Papier und 1.000.000 Unterschriften bei www.change.org/kindesmissbrauch. Wahnsinn!
Bitte liebe Leser, unterzeichnet online und auf unseren Listen.

Vielen Dank

Picasso & Markus

Wenn die Verzweiflung ruft – Und jetzt?

Seit ungefähr einem halben Jahr verändert sich mein Tagesablauf, oft schaffe ich es nicht in den Tag zu finden. Picasso und ich leben so sehr zurückgezogen, dass er mittlerweile völlig erschöpft ist –wie auch ich – nach ein paar Stunden in Gesellschaft oder unter Menschen. Picasso meistert diese Tage mit vielen Menschen mit Bravour, ich bin einfach nur glücklich, ihn zu haben. Er passt sich immer meiner Tagesform ohne Wenn und Aber an, er fordert nichts, außer sehr viel Nähe. Wir verstehen uns blind, ohne meinen Picasso hätte ich meinen Lebensmut schon verloren. Mein Tipp für alle Betroffen, Überlebenden und Opfer: legt euch einen solchen Freund zu, er ist immer ehrlich und immer da! Dennoch bin ich so sehr gefangen in mir selbst, dass ich es kaum schaffe, meine freie Zeit sinnvoll zu nutzen, sei es einen klaren Gedanken zu fassen oder einem Plan zu folgfen, es geht dann einfach nichts. Sei es mit Picasso zu trainieren oder ihn gar auszulasten. Um den Tag herrum zu bekommen würde ich mich am liebsten jeden Tag betäuben. Ich lebe jetzt seit zwei Jahren auf der Straße, ohne Heimat und ohne Anker. Was habe ich alles verpasst in meinem Leben? Ich liebe meinen Sohn über alles, es war mir jedoch verwehrt mit ihm aufzuwachsen. Den Alltag mit ihm erleben zu dürfen, da zu sein, wenn er krank war oder einfach den Alltag zu haben. Ich bin mein Leben lang hinter einem Traum hergerannt. Dem Traum von Familie, Geborgenheit, Sicherheit und ganz wichtig für mich: einem Anker. Doch mein innerlicher Drang, meine Fluchtgefühl, der ist so unglaublich groß, dass es einfach nicht machbar ist, jemals einen Punkt auf diesem Planeten zu finden um sesshaft zu werden. Meinen Anker und mein Urvertrauen habe ich im Alter  von fünf Jahren verloren und seither irre ich umher und weiß nicht wirklich, wo ich hingehöre. Aber wie soll ich jemals einen Anker finden, wenn ich nie in meinem Leben einen Menschen an mein Herz lassen kann, der Fluchtrieb steckt in jeder verdammten Zelle in mir. Der Kopf sagt „du hast keine Schuld und du brauchst dich nicht schämen“, dennoch ist das Gefühl immer wieder gleich, „warum habe ich mich nicht gewehrt?“, „ich bin selber schuld“. Ich kenne so viele schlimme Geschichten und kann nicht helfen. Eine Geschichte schlimmer als die andere, dennoch sind wir Überlebenden alle gleich. Wir haben denselben „Roten Faden“ in unserem Leben. Der hat mit Absturz, Schmerz und Fehlentscheidungen zu tun. Wir sind die, die immer kämpfen müssen, bei Betroffenen läuft nichts gerade. Das ist wie mit den Tätern, die lesen auf unserer Stirn, die oder den kannst du haben. Ich kenne kaum Betroffene, die nur einen Täter haben.

Ich brauch alle Hilfe dieser Welt, es geht um 41 Kinder, 41 angezeigte Fälle von schwerem sexuellem Kindesmissbrauch und das jeden Tag! Wenn Du Vater, Mutter, Onkel oder was auch immer bist und kennst Kinder in deinem Umfeld, dann solltest du aufstehen, mit uns kämpfen. Unsere Kinder sind unsere Zukunft und sie sind in großer Gefahr.

Inklusive der Dunkelziffer reden wir von über 800 Kindern jeden Tag …

 

Herzlichen Dank

Picasso & Markus

 

 

#JaIchBin – Weil wir so viele sind

          Tour41 (Markus)             Weil wir so viele sind!             #JaIchBin

 

Raus aus der Dunkelheit, mach dich sichtbar:
Schicke uns ein Kinderbild und einen Satz
der dich in deiner Kindheit begleitet hat
und dich heute nicht loslässt!
Zeige so das WIR unglaublich viele sind…

 

                   Tour41                   Weil wir so viele sind!                 #JaIchBin

                   Tour41                   Weil wir so viele sind!                 #JaIchBin

                   Tour41                   Weil wir so viele sind!                 #JaIchBin

 

 #JaIchBin ist ein Hashtag
für alle Betroffenen
von sexuellem Missbrauch und Gewalt in der Kindheit,
für alle Überlebenden,
für alle Opfer und Angehörigen

Glück und Leid – volle Packung


    Heute ist mein Freund Christian nach langem Krebsleiden erlöst worden. Zuerst war ich tief traurig, weinte und dachte an unsere Zeit. Fast 30 Jahre Freundschaft, unglaubliche Erlebnisse und Abenteuer enden. Zu wissen, dass ich ihn nie wieder sehen werde zerbricht mir das Herz. Christian wird immer ein Teil von uns (Picasso & mir) sein. Drei Tage vor seinem Leidensweg haben wir uns in Landsberg am Lech getroffen. Fast zwei Jahre hat Christian gekämpft, wir haben eine Braintumor Victory Party in Annaheim am Ossiacher See geplant, mit Gleitschirmfliegen, Tandempiloten und einer typischen Christian-Mega-Party.

    Mein „Roter Faden“ schlägt genau heute wieder zu. Glück und Leid gehören bei mir zusammen, immer! Heute sind Picasso und ich fünf Jahre zusammen, unglaublich, er ist so wichtig in meinem Leben. Er spürt, wenn es mir schlecht geht und passt sich an. Macht sich stark für mich und ermuntert mich. Christian hat Picasso abgöttisch geliebt und immer mit frischem Fisch versorgt, wenn wir uns trafen. Glücklicher Weise konnten Picasso & ich uns von Christian im Hospiz verabschieden.

    Danke für die Zeit mein Freund, wir werden dich immer in unserem Herzen tragen.

    Leere im Kopf – und dann kam Eddi

    Ich habe lange nicht geschrieben. Mein OEG-Antrag ist durch und ich bin anerkannt.

    Seit dem Schreiben ist mein Kopf leer; ich weiß nicht ob ich mich freuen soll. Ich höre so oft, dass Ablehnungen bei Betroffenen im Postkasten landen. Das ist jetzt eine größere Baustelle, sie wird noch viel Kraft kosten.

    Ich kämpfe viel mit den Gedanken, dass meine drei Täter frei rumlaufen, ich darf nicht mal ihre Namen nennen. Müssten jetzt nicht die Handschellen klicken? Was habe ich durch den Missbrauch alles verpasst? So viele Jahre mit überhöhtem Stress-Level durchs Leben.

    Allein zu wissen, dass die derzeitige Lebensweise nach mehr als 22 Monaten chronisch wird bzw. ist. Ich schaffe es ein zwei Tage mit Freunden zu verbringen, doch dann kribbelt es in mir, ich werde nervös und zappelig. Letzten Endes gewähre ich meinem Fluchtgedanken immer Vorfahrt und suche die Einsamkeit, hier geht’s mir dann gut.

    Letztendlich habe ich immer Schuld. So fühlt es sich für mich seit einiger Zeit an. Ich lebe in einer Spirale, sie geht unaufhörlich weiter nach unten. Oft denke ich, es kann nicht schlimmer kommen und es kommt dreimal so hart. Ich warte auf den Aufschlag, doch der bleibt aus.

    Geplant war nach dem Pax Terra Musica Festival bei Berlin nach Leipzig, Dresden, Jena, Chemnitz, Erfurt und Eisennach weiter Richtung Westen zu fahren. Leipzig hat keinen Platz, Dresden möchte Geld, Jena sogar 64 € plus 15 € fürs Befahren der Fußgängerzone; und das pro Tag. Ich bin jetzt noch wirr und verstehe es nicht. Regelmäßig, wie in festen Zyklen, habe ich Stress mit Menschen, die sich belästigt fühlen und mir die Polizei ins Haus holen. In Karlsruhe wollte mich ein Rentner, mit AMG Mercedes, Frau und Enkeltochter (3-4 J.) in Haft sehen. Angeblich wollte mein Herr Picasso seine Enkelin beißen. Na toll. Ich allein gegen zwei, wem wird die Polizei wohl glauben? Glücklicher Weise hat eine Kleingärtnernin von ihrem Garten aus alles verfolgt und konnte mich da rausboxen.

    Picasso und ich nehmen am gesellschaftlichen Leben nicht teil und sind immer allein am Rand der Gesellschaft und schauen aus der Ferne zu. Auch um solchen Erlebnissen aus dem Weg zu gehen. Ich ziehe solche Situationen wie ein Magnet an. Ich brauche dann immer ein paar Tage mein Krönchen zu richten. Dann kommt das Wiederaufstehen.

    Ich höre per Zufall Eddi Hüneke mit „Das könnte euch so passen!

    Danke für die Motivation Eddi

    https://youtu.be/q5760PvolBo

    Herzlichst
    Picasso & Markus

    Biker, Musik und die Grillcowboys

    Was für ein tolles Wochenende über Fronleichnam. Die Einladung von Renate, Evi und Karsten vom Kawasakitreffen hat uns schon im letzten Jahr erreicht. Es tut so gut wenn ich sehe, wie sich Menschen für einen guten Zweck die Beine ausreißen und alles daran legen, die Welt ein wenig schöner und besser zu machen. Vier Tage waren wir nun in Oer-Erkenschwick und haben unglaublich viele engagierte Menschen getroffen. Offen für das Thema Kindesmissbrauch und rasch dabei uns die Unterschrift zu geben. Aber nicht nur das, die meisten haben Listen mitgenommen, um im eigenen Familien- und Freundeskreis Unterschriften zu sammeln. Vielen Dank dafür.

    Oft wünsche ich mir einfach eine gute Imbissbude und finde alles Mögliche aber keine gute Currywurst mit Pommes. Für mich waren die Grillcowboys wie eine Reise in die Vergangenheit. Für mich macht ihr die beste Currywurst und vor allem die besten Pommes! Danke euch und vielen Dank für die tollen Gespräche und euer Engagement, uns zu unterstützen.

    Viele klasse Bands und Musiker haben das Wochenende rundum perfekt gemacht. Mario mit seiner Gitarre, die Butterkeks Bluesband und dann der Hammer. Constant Velocity haben einen echten Hammer rausgehauen. Vielen Dank an alle!

    Kurzum, ein gelungenes Event. Über 200 Unterschriften haben allein die Organisatoren gesammelt. Ihr seid großartig, wir freuen uns aufs nächste Jahr!

    Herzlichst

    Picasso & Markus

     

     

     

    Es gibt keine Zufälle – Die Tour-Engel und ihre Unterstützer

    Was für eine Reise! Seit Michaela und Stefanie uns begleiten, unterstützen und so viel Professionalität in den Verein bringen, fühle ich mich leichter. Es ist alles so einfach mit euch beiden. Wir verstehen uns und sprechen die gleiche Sprache. Meine Ziele nehmt ihr ernst, setzt alles daran, dass alle Ideen beleuchtet und abgewägt werden. Eure Ideen und Vorschläge sprechen mir so oft aus der Seele und haben Hand und Fuß. Herzlichen Dank an euch zwei, ich habe euch lieb gewonnen.

    Dazu kommen die letzten Tour-Stopps. Mayen und Kaiserslautern waren so enttäuschend für mich, doch dann wendete sich das Blatt. Halt in Darmstadt mit vielen Betroffenen und neu gewonnenen Freunden und Unterstützern. Umliegende Händler holten Unterschriftenlisten und sprachen ihren Respekt aus. Dann kam Karlsruhe, mitten in einer Baustelle mit Lärm und (noch) wenigen Menschen.

    Dann kam Neli.

    Sie verfolgt die Tour schon so lange und wollte mich unbedingt kennenlernen. Jetzt war ich da. Neli kam mit soviel Elan, voller Tatendrang und wurde dann so schwer enttäuscht und mit so viel Ablehnung getroffen als sie versuchte durch persönliche Ansprache der Passanten Unterschriften zu sammeln, dass sie erst einmal weinen musste. Im Laufe des Tages kamen so viele Betroffene und so viele Helfer, dass wir insgesamt über 400 Unterschriften hatten und zeitweise mit 10-12 Betroffenen zusammen am Stand waren – unglaublich! Es ist ein so unglaubliches Gefühl zu sehen, dass Überlebende auf einmal erkennen, dass sie nicht alleine sind. Ich hätte weinen können vor Glück. Nie hätte ich gedacht,  dass ich hier so tolle Menschen treffe, also in dieser Fülle.

    Vielen Dank an jeden einzelnen von euch, die uns mit soviel Herz unterstützen. Das gibt mir soviel Kraft und Zuversicht.

    An alle Unterstützer, fühlt euch alle angesprochen. Ich bin so dankbar, dass ihr mir das Gefühl gebt das Richtige zu tun. Der Weg ist noch lang, aber es braucht Zeit, Veränderungen herbeizuführen. Ihr seht, wir von der Tour41 geben nicht auf, lassen nicht locker und beginnen jetzt sogar schon mit einem Präventionsprojekt an einer Schule. Der Tour41 e.V. wächst, kontinuierlich, Schritt für Schritt.

    Es braucht viele die sich uns anschließen – zusammen sind wir stark!

    Es geht uns ALLE an!

    Herzlichst
    Picasso und Markus

    Unterlassene Hilfeleistung durch die Krankenkasse

    Seit nun mehr als vier Jahren schaufle ich Medikamente in mich hinein, um Erleichterung in meinem Tagesablauf und für die Nacht zu fühlen. Wie kann es sein, dass Mediziner des MDK alles ablehnen was mir helfen könnte? Wie vermessen muss ein Arzt sein, nach drei Widersprüchen immer mit dem gleichen Argument abzulehnen – „Machen sie erst einmal eine Therapie“?
    Ich könnte schreien, weinen und hauen …

    Meine Ärztin unterstützt mich in dem Vorhaben, die Tabletten gegen Canaboide zu tauschen. Hier geht es nicht um Kiffen, nicht falsch verstehen. Wenn man Marihuana verdampft, so kann man über die Temperatur beeinflussen welche Canaboide freigesetzt werden, um so gezielt zu behandeln. Weg mit der Chemie und hin zu natürlichen Heilmethoden. Im Januar den Antrag gestellt inkl. der Kostenübernahme, im Anhang alle Ablehnungen bzw. Bescheide der Kliniken, die mich nicht behandeln wollen/können. Prompte erneute Ablehnung, Grund: „Machen sie erst einmal eine Therapie“!

    Widerspruch eingelegt mit allen Ablehnungen meiner Krankenkasse, die weder ambulante noch stationäre Behandlungen zahlen will. Nach zwei weiteren Widersprüchen habe ich kapituliert. Wiederholte Ablehnungen mit dem Argument: „Machen sie erst einmal eine Therapie“!

    Im August 2015 hatte ich das Glück, ins Waldschlösschen nach Dresden zu kommen. So dachte ich. Mein „Roter Faden“ zeigte sich in der siebten Woche, es war ein Montag. Eine Verwaltungsangestellte kam auf mich zu und sagte: „Herr Diegmann, am Freitag müssen sie abreisen. Ihre Krankenkasse hat leider den Kostenübernahmebescheid noch nicht geschickt. Bitte bereiten sie sich auf zu Hause vor.“ Sofort waren alle Therapiestunden abgesagt. Völlig allein gelassen mit all meinen Ängsten, schrecklichen Gefühlen und Gedanken.

    Sechs Wochen tief in die Vergangenheit einzutauchen, vieles hoch kommen lassen und sich damit auseinanderzusetzen, kostet Unmengen an Energie. Und dann steht man wieder allein da. Ich bin dann am Freitag, den 7. August, heimgefahren. Zu Hause angekommen musste ich feststellen, dass ich es in meiner Wohnung nicht aushalte, alles war fremd und bereitete mir Unbehagen. Ich habe meist auf der Dachterrasse geschlafen.

    Montags ging ich die Post holen und siehe da, der Kostenübernahmebescheid war da. In Dresden im Waldschlösschen angerufen, und: „Das tut uns leid Herr Diegmann, sie stehen auf der Warteliste.“ Jackpott, so geht man in Deutschland mit Betroffenen um. Wie soll ich je wieder in die Schulmedizin vertrauen können? Wie? Wenn sie so offen zeigen, dass  es nur um Geld geht! Unikliniken wie Essen und Bochum sagen, eine Behandlung sei nach dieser Erfahrung nicht möglich.

    Jetzt komme ich auf meine Canaboidkur zurück: „Machen sie doch erst einmal eine Therapie!“

    Erschreckend ist, dass ich nach Dresden ins Waldschlösschen  über den Fonds sexueller Missbrauch in Berlin gekommen bin, der auch die Kosten für meine ambulante und die stationäre Therapie trug und zahlte; daher hatte die Klinik einen Kostenträger. Allerdings müssen die Kliniken auch bei Zahlung eines Dritten den Antrag für die stationäre Behandlung bei der Krankenkasse stellen und die Zustimmung einholen.

    Durch das nicht Aushalten und Wohlfühlen in meiner eigenen Wohnung ist die Tour41 entstanden.

    Am 21. Dezember 2015 kam eine Einladung vom Waldschlösschen in Dresden für den 23.12.2015. Frohe Weihnachten und ein tolles neues Jahr … Für wie dumm halten die uns?

    Was läuft schief in unserem Land? Es geht nur um Geld, nicht um Hilfe. Daher haben wir den Verein Tour41 e.V. gegründet. Um solche Missstände abzubauen, müssen wir zusammenstehen, uns verbünden. Wir müssen wachsen, wachsen an Mitgliedern und Spenden. Das Schweigen brechen!

    Vielen Dank

    Picasso und Markus

     

     

    Tour41 goes Cuba!

    Warum mein Ehrenamt eine Selbstverständlichkeit und zeitgleich eine Belastung ist:

    Mein Name ist Sven , ich bin 35 Jahre alt, selbständiger Unternehmer, stehe mit beiden Beinen im Leben und bin Administrator der Tour41 Facebook- Seite.

    Als Neffe von Markus stimmt es mich traurig zu sehen, was ein Missbrauch mit meinem Onkel angestellt hat. Ich kenne und vermisse den Markus der er vor dem Ausbruch seines Traumas war. Ein Mann, der Menschen mit seiner Euphorie mitziehen konnte. Ein Mann, der die ganze Welt gesehen hat, Sportarten ausgeübt hat, nach denen andere sich die Finger lecken würden, Jobs hatte, die jeder wollte – aber nicht jeder bekommt. Ein Mann der keine Gewalt mag. Wenn es mal mit fremden Leuten eine Auseinandersetzung gab, hat Markus die Menschen verbal geschlagen. Diese Gabe habe ich zum Glück auch.

    Ich denke gerne zurück an den „gesunden“ Markus. Zu schön waren die Abende, bei denen er gekocht hat (er kann das, sogar richtig gut ), Markus Gitarre gespielt hat und seine Lieblingssongs gesungen hat. Phil Collins, ich kenne mittlerweile jeden Song in und auswendig. Es hat einen Grund warum Markus‘ Sohn den Namen eines der besten Künstler unser Zeit trägt. Wenn er dann noch Bilder seiner Reisen gezeigt hat und zu fast jedem Foto eine coole Geschichte erzählt hat, blühte mein Herz auf. Mega! Das ganze hat mich neugierig gemacht.

    Heute bin ich der, der die Welt bereist. Niemals dasselbe Land zweimal. Nie Europa. Europa habe ich berufsbedingt bis auf Skandinavien durch und das kann ich machen, wenn ich alt bin. Am Ende meines Lebens möchte ich somit eine Weltreise gemacht haben.

    Markus war und ist zum Glück heute noch sehr bescheiden. Wer ihn von seinen Freunden oder Verwandten anruft und Hilfe benötigt, bekommt sie von ihm – sofort und ohne Diskussion. Das alles ist der Grund, warum er Freunde rund um den Globus hat. Beeindruckend, wirklich.

    Ich bin Gründungsmitglied im Verein, bekomme viel Freiraum. Also ein Kind der ersten Stunde. Seitdem ich mich selbst seit einem Jahr Papi nennen darf, bin ich in einer Abwehrhaltung. Jeder Fremde, der meinem Kind zu nahe tritt, wird von mir gescannt und genau beobachtet. Ich mache das nicht aus Böswilligkeit. Nur, ich habe hier unzählige Nachrichten von Betroffenen gelesen und beantwortet. Einer meiner besten Freunde hat gesagt :“ Du musst Nerven aus Stahl haben. 60 Stunden die Woche arbeiten, Familie, Sport, Freude und das heikle Thema.“ Jo, habe ich teilweise auch, aber Tour41 geht nicht spurlos an mir vorbei. Markus und ich sprechen nicht nur dieselbe Sprache, wir agieren auch fast gleich. Das bedeutet, ich kann viel fressen, mache Probleme mit mir selbst aus. Deshalb ist es für mich auch wichtig, zeitweise mein Ehrenamt stillzulegen und mal drei bis vier Tage Pause einzulegen. Nur so kann sich jeder, unsere Unterstützer oder Mitglieder, schützen.

    In diesem Sinne,

    karibische Grüße

    Sven

    #MeToo, Times up und die Tour41 – #JaIchBin

    Warum ist es so schwer, die 41 angezeigten Fälle von schwerem sexuellen Kindesmissbrauch pro Tag als Thema gesellschaftsfähig zu machen, wo doch #MeToo und Times Up so populär sind? Haben es die Kinder nicht verdient? Haben es die Überlebenden, Opfer und Angehörigen nicht genauso verdient durch alle Medien vertreten zu werden? Wer gibt den Kindern seine Stimme, wer steht für sie ein?

    Mich stimmt es traurig, dass Prominente so viel Aufmerksamkeit bekommen und kaum einer an die Kinder und die erwachsen gewordenen Opfer denkt. Jeden Tag erreichen mich Nachrichten von Betroffenen. Menschen outen sich bei mir, wenn ich meine Geschichte erzähle oder wenn ich Unterschriften sammle. #JaIchbin ist ein Hashtag für alle Betroffenen, alle Überlebenden, alle Opfer und Angehörigen.

    Der Begriff „Überlebender“ beschreibt genau den Zustand, in dem sich ein sexuell missbrauchtes Kind, das erwachsen geworden ist, befindet.

    Überlebende sind unglücklich, weil sie intuitiv wissen, dass sie sich bloß über Wasser halten, statt ihre Möglichkeiten für ein zufriedenes und lohnendes Dasein auszuschöpfen. Glück und Erfüllung sind unmöglich, wenn der Körper und Geist darauf gedrillt sind, im Alarmzustand zu verharren.

    Solange wir alle die Gesellschaft nicht erreichen und darauf aufmerksam machen, dass wir so viele Betroffene sind und genau so viel Öffentlichkeit und prominente Unterstützung brauchen wie #MeToo und Times up, wird sich nichts ändern. Das Schweigen könnte mit einer Welle wie bei MeToo oder Times up endlich gebrochen werden.

    Die Tour41 ist noch lange nicht am Ende. Steh mit uns auf, erhebe deine Stimme, auch wenn du nicht betroffen bist.

    Herzlichen Dank

    Picasso & Markus