Keine Rente – Unruhe, Angst und Verunsicherung

Bild: Phil Diegmann

Seit April beziehe ich wieder einmal keine Rente, weil durch ein Gutachten geklärt werden musste, ob der Rentenanspruch weiter besteht. Was für eine schräge Welt. Ich musste zu einer Gutachterin in Essen, in eine verschmuddelte Praxis mit eingetretenen Türen. Die Psychologin war kaum der deutschen Sprache mächtig und es fiel mir schwer, mich den Fragen zu stellen. Ende vom Lied ist, ich muss in die Reha, damit dort eingeschätzt werden kann, ob nicht doch eine Wunderheilung möglich sei.

Das heißt im Umkehrschluss, dass ich bis zur Entscheidung der Reha keine Rente beziehe. 2017 hatte ich ein ähnliches Problem. Die DRV hat mir den Rentenverlängerungsantrag an die falsche Adresse geschickt. Da ich diesen nie erhalten habe, hat man mich aus der Rente geworfen – ohne Nachfrage! Ich erhielt am 23.12.2017  ein Schreiben von der Krankenversicherung, dass die Rentenzahlung und somit die Krankenkassenzahlungen eingestellt sind. Einen Tag vor Heiligabend. Frohe Weihnachten, Markus! Am 27.12.2017 erreichte ich meinen Sachbearbeiter bei der DRV. Er meinte: „Kein Problem, das kriegen wir hin.“ Ich war erleichtert. Am 16. Januar, einen Tag vor meinem Geburtstag, dachte ich: „Mh, ich habe noch nichts von der DRV gehört.“ Angerufen, Glück  gehabt und durchgekommen. Da meinte mein Sachbearbeiter: „Es tut mir leid, meine Vorgesetzte hat die Verlängerung negiert.“ Herzlichen Glückwunsch Markus, zu deinem Geburtstag. Es hat sage und schreibe viereinhalb Monate gedauert, bis ich wieder regelmäßig die Rente bezog.

Wie soll ich je zur Ruhe kommen oder ohne Zukunftsängste leben können? Und das jetzt seit sechs Jahren! Wenn ich die Rücklagen vom OEG nicht hätte, würde ich schon auf der Straße leben, allerdings ohne Wohnmobil. Wie kann es sein, dass WIR Betroffenen durch Behörden, Rententräger und Gesundheitswesen uns immer wieder retraumatisieren lassen müssen? Ich habe mich schon zum 35. Mal bei der Gutachterin in Essen komplett seelisch ausziehen müssen und meine Biographie von A-Z erzählen müssen, weil man uns Betroffenen sonst nicht glaubt. Es sollte doch reichen, wenn unsere Therapeutin alles weiß und nicht immer wieder fremde Menschen nachbohren und uns damit ins Unheil stürzen. Jedes Mal müssen wir danach in uns aufräumen, was so unendlich viel Kraft und Zeit raubt und uns in tiefe Depressionen katapultiert.

Wieviel kann ein Mensch ertragen?

Picasso & Markus

 

 

 

 

999 Tage Tour41 und ein Leben in der Enola Gale

Mein Lieblingsplatz / Bild: Phil Diegmann

Am 19. Juni 2019 mache ich den 999. Tag voll. Seit ein paar Wochen läuft die Tour auf Hochtouren. Im Mai hätte ich mir nie träumen lassen, dass wir jetzt mehr als 300.000 Unterschriften haben. High Score ist der 4. Juni – an einem einzigen Tag mehr als 60.000 Unterschriften. Und dennoch, was machen die Tage, wenn das Ziel noch nicht erreicht ist? Es ist ein Tag wie jeder andere.

Zuerst dachte ich, es muss groß gefeiert werden. Ich könnte mal in den Urlaub fahren oder einfach mal ohne das Thema „Kindesmissbrauch“ leben. Mal etwas nur für mich machen. Heute sehe ich das anders. Es war ein langer Kampf mit Ups und Downs. Es gab gute und schlechte Tage. Schlimm ist es, wenn man  Erfolg hat und als Dank von anderen Aktivisten als „Showman“ und Lügner dargestellt wird. Menschen mit Taubenflügeln auf dem Rücken oder als Teil einer importierten Aktion der „Gelbwesten“. Solche, die keine Betroffenen sind und einem an den Kopf werfen „Du hättest dich ja wehren können“ oder einem unterstellen, alles wäre gelogen. Ich war fünf beim ersten Missbrauch! Wie sollte ich mich da wehren? Selbst verurteilte Sexualstraftäter versuchten mich und meine Tour41 in den Dreck zu ziehen. Aber das ist wohl normal, obwohl mein naives „ICH“ das nie verstehen kann. Ich habe doch nur das eine Ziel, das Schweigen zu brechen und die Verjährungsfrist aufheben. In der Politik ist der unhaltbare Zustand der Verjährungsfrist angekommen. Mittlerweile bin ich Teil der öffentlichen Debatte. Google ich meinen Namen, dann sehe ich zig Seiten über Missbrauch und meine Biographie, zig Artikel, Beiträge und Fernsehsendungen. Will ich das? Nein.

Ich gebe zu, als ich mit der Tour anfing dachte ich nicht, dass meine eigene Biographie eine so große Rolle spielt. Ich wollte nie im Vordergrund stehen, ich brauche keine Berühmtheit. Wer meinen Lebenslauf kennt weiß, dass ich das nicht brauche. Mir geht es um die 41 Kinder täglich – und um die vielen Kinder, die in der Dunkelziffer stecken. Aber ich möchte etwas ändern. Wir müssen über das Thema reden, um den Tätern den Freiraum zu nehmen. Auch wenn mich viele Tiefs fast aufgefressen hätten und auch zweifeln lassen haben, habe ich durchgehalten. Es ist nicht leicht in solch eine Rolle zu schlüpfen.

Was mich immer wieder aufrichtet sind die glänzenden Augen von Betroffenen, die glücklich sind, dass einer aufsteht und Informationen zu ergänzenden Hilfeleistungen und neue Perspektiven aufzeigt. Am Anfang war es schwer, Gehör zu finden und Erlaubnisse zu bekommen, Unterschriften zu sammeln. Heute habe ich einen voll funktionsfähigen Verein mit drei wundervollen Menschen im Vorstand. Ich habe so viel erreicht, dass ich gar nicht mehr aufhören kann und will. Ich nehme nicht am normalen gesellschaftlichen Leben teil. Ich schaue es mir aus der Ferne an. Viele Menschen und Lärm belasten mich. Nach zwei Tagen in einer Stadt brauche ich vier Tage zum Regenerieren. Wie kann es sein, dass Menschen glauben, dass ich ein Luxusleben führen würde? Denen möchte ich nahelegen, einen Winter im Wohnmobil zu verbringen. Doch es ist nicht wichtig, diesen Stimmen Raum zu geben. Ich ignoriere all das und mein Vorstand hält mich von diesen Menschen und ihren Diffamierungen fern. Ich werde nie die Erinnerungen an das Geschehene ablegen können und kämpfe nach wie vor jeden Tag dagegen an.

Viele Ziele haben wir schon erreicht. Unsere Selbsthilfegruppe besuchen schon acht Betroffene, wir stehen nicht mehr alleine da. Das würde ich mir auch für viele andere Regionen wünschen.

Überall in unserem Land leben Betroffene in der Dunkelheit. Unserer Aktion #JaIchBin sind schon viele Betroffene beigetreten und zeigen ihr Gesicht und ihr Lebensmotto. So kommen wir aus der Dunkelheit und erkennen, dass wir viele sind und keiner von uns allein ist.

An der Gesamtschule Kürten haben wir sieben engagierte junge Menschen die unsere Stefanie als Präventionscoaches ausbildet. Sie hat ein geniales Konzept entwickelt, so dass das Deutsche Jugend Institut (DJI) München sich im Rahmen einer Forschung des Bundes „Peer to Peer Disclosure“ sich für unsere Arbeit interessiert. Zudem hat das DJI mich als Beiratsmitglied in die Forschungsgruppe berufen. Was für ein Erfolg für unseren Verein.

Wir haben auf dem Kongress Mitsprache des Betroffenenrates der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) unter der Leitung von Herrn Rörig teilgenommen und viele tolle Kontakte geschlossen. Es gibt viel Bewegung durch viele Aktivisten. Wir waren in Freiburg zur Demo „Aktiv gegen sexuellen Missbrauch an Kindern„, in Hannover am Landtag bei der Initiative „Die Kinder von Lügde“ und vielen anderen Initiativen.

Change.org hilft uns aktiv die Petition zum Erfolg zu führen. Dank ihnen haben wir heute über 312.000 Unterschriften online. Auf Papier haben wir rund 25.000 Unterschriften. Das kann sich doch sehen lassen. Frei nach dem Motto von Familienministerin Franziska Giffey – sie war übrigens auch auf dem Mitsprachekongress – „Akzeptanz durch Penetranz“. Also weitermachen und nicht aufgeben. 1979 wurde die Verjährungsfrist bei Mord aufgehoben, warum sollte es bei sexuellem Kindesmissbrauch nicht auch gehen? Das Argument der schwierigen Beweislast ist fadenscheinig denn die Forensik und Forschung entwickelt sich weiter.

Der beste Tag auf meiner Tour war unsere Benefizveranstaltung OB8 – Noten gegen Missbrauch. Es war herzlich, mit tollen Künstlern und tollem Rahmenprogramm.

Danke an alle, die uns beistehen, uns unterstützen und sich für uns stark machen.

Beste Grüße aus der Enola Gale

Picasso und Markus

 

 

 

 

Mein Traum – 1 Million Unterschriften und das mal 2

Was für eine Woche! Zuerst Schwerin mit all den Erlebnissen und den vielen Betroffenen an meinem Stand. Dann der Kongress MitSprache mit dem  UBSKM und dem Betroffenenrat. So viele Emotionen in so komprimierter Zeit hinterlassen Spuren. Zur Krönung die Gedenkminute mit so vielen Mitstreitern am Deutschen Bundestag. Für die, die es nicht überlebt haben. Seither habe ich einen wirren Traum: Stellt euch vor, wir haben 1.000.000 Unterschriften auf Papier und 1.000.000 Unterschriften bei www.change.org/kindesmissbrauch. Wahnsinn!
Bitte liebe Leser, unterzeichnet online und auf unseren Listen.

Vielen Dank

Picasso & Markus

Wenn die Verzweiflung ruft – Und jetzt?

Seit ungefähr einem halben Jahr verändert sich mein Tagesablauf, oft schaffe ich es nicht in den Tag zu finden. Picasso und ich leben so sehr zurückgezogen, dass er mittlerweile völlig erschöpft ist –wie auch ich – nach ein paar Stunden in Gesellschaft oder unter Menschen. Picasso meistert diese Tage mit vielen Menschen mit Bravour, ich bin einfach nur glücklich, ihn zu haben. Er passt sich immer meiner Tagesform ohne Wenn und Aber an, er fordert nichts, außer sehr viel Nähe. Wir verstehen uns blind, ohne meinen Picasso hätte ich meinen Lebensmut schon verloren. Mein Tipp für alle Betroffen, Überlebenden und Opfer: legt euch einen solchen Freund zu, er ist immer ehrlich und immer da! Dennoch bin ich so sehr gefangen in mir selbst, dass ich es kaum schaffe, meine freie Zeit sinnvoll zu nutzen, sei es einen klaren Gedanken zu fassen oder einem Plan zu folgfen, es geht dann einfach nichts. Sei es mit Picasso zu trainieren oder ihn gar auszulasten. Um den Tag herrum zu bekommen würde ich mich am liebsten jeden Tag betäuben. Ich lebe jetzt seit zwei Jahren auf der Straße, ohne Heimat und ohne Anker. Was habe ich alles verpasst in meinem Leben? Ich liebe meinen Sohn über alles, es war mir jedoch verwehrt mit ihm aufzuwachsen. Den Alltag mit ihm erleben zu dürfen, da zu sein, wenn er krank war oder einfach den Alltag zu haben. Ich bin mein Leben lang hinter einem Traum hergerannt. Dem Traum von Familie, Geborgenheit, Sicherheit und ganz wichtig für mich: einem Anker. Doch mein innerlicher Drang, meine Fluchtgefühl, der ist so unglaublich groß, dass es einfach nicht machbar ist, jemals einen Punkt auf diesem Planeten zu finden um sesshaft zu werden. Meinen Anker und mein Urvertrauen habe ich im Alter  von fünf Jahren verloren und seither irre ich umher und weiß nicht wirklich, wo ich hingehöre. Aber wie soll ich jemals einen Anker finden, wenn ich nie in meinem Leben einen Menschen an mein Herz lassen kann, der Fluchtrieb steckt in jeder verdammten Zelle in mir. Der Kopf sagt „du hast keine Schuld und du brauchst dich nicht schämen“, dennoch ist das Gefühl immer wieder gleich, „warum habe ich mich nicht gewehrt?“, „ich bin selber schuld“. Ich kenne so viele schlimme Geschichten und kann nicht helfen. Eine Geschichte schlimmer als die andere, dennoch sind wir Überlebenden alle gleich. Wir haben denselben „Roten Faden“ in unserem Leben. Der hat mit Absturz, Schmerz und Fehlentscheidungen zu tun. Wir sind die, die immer kämpfen müssen, bei Betroffenen läuft nichts gerade. Das ist wie mit den Tätern, die lesen auf unserer Stirn, die oder den kannst du haben. Ich kenne kaum Betroffene, die nur einen Täter haben.

Ich brauch alle Hilfe dieser Welt, es geht um 41 Kinder, 41 angezeigte Fälle von schwerem sexuellem Kindesmissbrauch und das jeden Tag! Wenn Du Vater, Mutter, Onkel oder was auch immer bist und kennst Kinder in deinem Umfeld, dann solltest du aufstehen, mit uns kämpfen. Unsere Kinder sind unsere Zukunft und sie sind in großer Gefahr.

Inklusive der Dunkelziffer reden wir von über 800 Kindern jeden Tag …

 

Herzlichen Dank

Picasso & Markus

 

 

#JaIchBin – Weil wir so viele sind

          Tour41 (Markus)             Weil wir so viele sind!             #JaIchBin

 

Raus aus der Dunkelheit, mach dich sichtbar:
Schicke uns ein Kinderbild und einen Satz
der dich in deiner Kindheit begleitet hat
und dich heute nicht loslässt!
Zeige so das WIR unglaublich viele sind…

 

                   Tour41                   Weil wir so viele sind!                 #JaIchBin

 

 #JaIchBin ist ein Hashtag
für alle Betroffenen
von sexuellem Missbrauch und Gewalt in der Kindheit,
für alle Überlebenden,
für alle Opfer und Angehörigen

Glück und Leid – volle Packung


    Heute ist mein Freund Christian nach langem Krebsleiden erlöst worden. Zuerst war ich tief traurig, weinte und dachte an unsere Zeit. Fast 30 Jahre Freundschaft, unglaubliche Erlebnisse und Abenteuer enden. Zu wissen, dass ich ihn nie wieder sehen werde zerbricht mir das Herz. Christian wird immer ein Teil von uns (Picasso & mir) sein. Drei Tage vor seinem Leidensweg haben wir uns in Landsberg am Lech getroffen. Fast zwei Jahre hat Christian gekämpft, wir haben eine Braintumor Victory Party in Annaheim am Ossiacher See geplant, mit Gleitschirmfliegen, Tandempiloten und einer typischen Christian-Mega-Party.

    Mein „Roter Faden“ schlägt genau heute wieder zu. Glück und Leid gehören bei mir zusammen, immer! Heute sind Picasso und ich fünf Jahre zusammen, unglaublich, er ist so wichtig in meinem Leben. Er spürt, wenn es mir schlecht geht und passt sich an. Macht sich stark für mich und ermuntert mich. Christian hat Picasso abgöttisch geliebt und immer mit frischem Fisch versorgt, wenn wir uns trafen. Glücklicher Weise konnten Picasso & ich uns von Christian im Hospiz verabschieden.

    Danke für die Zeit mein Freund, wir werden dich immer in unserem Herzen tragen.

    Leere im Kopf – und dann kam Eddi

    Ich habe lange nicht geschrieben. Mein OEG-Antrag ist durch und ich bin anerkannt.

    Seit dem Schreiben ist mein Kopf leer; ich weiß nicht ob ich mich freuen soll. Ich höre so oft, dass Ablehnungen bei Betroffenen im Postkasten landen. Das ist jetzt eine größere Baustelle, sie wird noch viel Kraft kosten.

    Ich kämpfe viel mit den Gedanken, dass meine drei Täter frei rumlaufen, ich darf nicht mal ihre Namen nennen. Müssten jetzt nicht die Handschellen klicken? Was habe ich durch den Missbrauch alles verpasst? So viele Jahre mit überhöhtem Stress-Level durchs Leben.

    Allein zu wissen, dass die derzeitige Lebensweise nach mehr als 22 Monaten chronisch wird bzw. ist. Ich schaffe es ein zwei Tage mit Freunden zu verbringen, doch dann kribbelt es in mir, ich werde nervös und zappelig. Letzten Endes gewähre ich meinem Fluchtgedanken immer Vorfahrt und suche die Einsamkeit, hier geht’s mir dann gut.

    Letztendlich habe ich immer Schuld. So fühlt es sich für mich seit einiger Zeit an. Ich lebe in einer Spirale, sie geht unaufhörlich weiter nach unten. Oft denke ich, es kann nicht schlimmer kommen und es kommt dreimal so hart. Ich warte auf den Aufschlag, doch der bleibt aus.

    Geplant war nach dem Pax Terra Musica Festival bei Berlin nach Leipzig, Dresden, Jena, Chemnitz, Erfurt und Eisennach weiter Richtung Westen zu fahren. Leipzig hat keinen Platz, Dresden möchte Geld, Jena sogar 64 € plus 15 € fürs Befahren der Fußgängerzone; und das pro Tag. Ich bin jetzt noch wirr und verstehe es nicht. Regelmäßig, wie in festen Zyklen, habe ich Stress mit Menschen, die sich belästigt fühlen und mir die Polizei ins Haus holen. In Karlsruhe wollte mich ein Rentner, mit AMG Mercedes, Frau und Enkeltochter (3-4 J.) in Haft sehen. Angeblich wollte mein Herr Picasso seine Enkelin beißen. Na toll. Ich allein gegen zwei, wem wird die Polizei wohl glauben? Glücklicher Weise hat eine Kleingärtnernin von ihrem Garten aus alles verfolgt und konnte mich da rausboxen.

    Picasso und ich nehmen am gesellschaftlichen Leben nicht teil und sind immer allein am Rand der Gesellschaft und schauen aus der Ferne zu. Auch um solchen Erlebnissen aus dem Weg zu gehen. Ich ziehe solche Situationen wie ein Magnet an. Ich brauche dann immer ein paar Tage mein Krönchen zu richten. Dann kommt das Wiederaufstehen.

    Ich höre per Zufall Eddi Hüneke mit „Das könnte euch so passen!

    Danke für die Motivation Eddi

    https://youtu.be/q5760PvolBo

    Herzlichst
    Picasso & Markus

    Biker, Musik und die Grillcowboys

    Was für ein tolles Wochenende über Fronleichnam. Die Einladung von Renate, Evi und Karsten vom Kawasakitreffen hat uns schon im letzten Jahr erreicht. Es tut so gut wenn ich sehe, wie sich Menschen für einen guten Zweck die Beine ausreißen und alles daran legen, die Welt ein wenig schöner und besser zu machen. Vier Tage waren wir nun in Oer-Erkenschwick und haben unglaublich viele engagierte Menschen getroffen. Offen für das Thema Kindesmissbrauch und rasch dabei uns die Unterschrift zu geben. Aber nicht nur das, die meisten haben Listen mitgenommen, um im eigenen Familien- und Freundeskreis Unterschriften zu sammeln. Vielen Dank dafür.

    Oft wünsche ich mir einfach eine gute Imbissbude und finde alles Mögliche aber keine gute Currywurst mit Pommes. Für mich waren die Grillcowboys wie eine Reise in die Vergangenheit. Für mich macht ihr die beste Currywurst und vor allem die besten Pommes! Danke euch und vielen Dank für die tollen Gespräche und euer Engagement, uns zu unterstützen.

    Viele klasse Bands und Musiker haben das Wochenende rundum perfekt gemacht. Mario mit seiner Gitarre, die Butterkeks Bluesband und dann der Hammer. Constant Velocity haben einen echten Hammer rausgehauen. Vielen Dank an alle!

    Kurzum, ein gelungenes Event. Über 200 Unterschriften haben allein die Organisatoren gesammelt. Ihr seid großartig, wir freuen uns aufs nächste Jahr!

    Herzlichst

    Picasso & Markus

     

     

     

    Es gibt keine Zufälle – Die Tour-Engel und ihre Unterstützer

    Was für eine Reise! Seit Michaela und Stefanie uns begleiten, unterstützen und so viel Professionalität in den Verein bringen, fühle ich mich leichter. Es ist alles so einfach mit euch beiden. Wir verstehen uns und sprechen die gleiche Sprache. Meine Ziele nehmt ihr ernst, setzt alles daran, dass alle Ideen beleuchtet und abgewägt werden. Eure Ideen und Vorschläge sprechen mir so oft aus der Seele und haben Hand und Fuß. Herzlichen Dank an euch zwei, ich habe euch lieb gewonnen.

    Dazu kommen die letzten Tour-Stopps. Mayen und Kaiserslautern waren so enttäuschend für mich, doch dann wendete sich das Blatt. Halt in Darmstadt mit vielen Betroffenen und neu gewonnenen Freunden und Unterstützern. Umliegende Händler holten Unterschriftenlisten und sprachen ihren Respekt aus. Dann kam Karlsruhe, mitten in einer Baustelle mit Lärm und (noch) wenigen Menschen.

    Dann kam Neli.

    Sie verfolgt die Tour schon so lange und wollte mich unbedingt kennenlernen. Jetzt war ich da. Neli kam mit soviel Elan, voller Tatendrang und wurde dann so schwer enttäuscht und mit so viel Ablehnung getroffen als sie versuchte durch persönliche Ansprache der Passanten Unterschriften zu sammeln, dass sie erst einmal weinen musste. Im Laufe des Tages kamen so viele Betroffene und so viele Helfer, dass wir insgesamt über 400 Unterschriften hatten und zeitweise mit 10-12 Betroffenen zusammen am Stand waren – unglaublich! Es ist ein so unglaubliches Gefühl zu sehen, dass Überlebende auf einmal erkennen, dass sie nicht alleine sind. Ich hätte weinen können vor Glück. Nie hätte ich gedacht,  dass ich hier so tolle Menschen treffe, also in dieser Fülle.

    Vielen Dank an jeden einzelnen von euch, die uns mit soviel Herz unterstützen. Das gibt mir soviel Kraft und Zuversicht.

    An alle Unterstützer, fühlt euch alle angesprochen. Ich bin so dankbar, dass ihr mir das Gefühl gebt das Richtige zu tun. Der Weg ist noch lang, aber es braucht Zeit, Veränderungen herbeizuführen. Ihr seht, wir von der Tour41 geben nicht auf, lassen nicht locker und beginnen jetzt sogar schon mit einem Präventionsprojekt an einer Schule. Der Tour41 e.V. wächst, kontinuierlich, Schritt für Schritt.

    Es braucht viele die sich uns anschließen – zusammen sind wir stark!

    Es geht uns ALLE an!

    Herzlichst
    Picasso und Markus

    Unterlassene Hilfeleistung durch die Krankenkasse

    Seit nun mehr als vier Jahren schaufle ich Medikamente in mich hinein, um Erleichterung in meinem Tagesablauf und für die Nacht zu fühlen. Wie kann es sein, dass Mediziner des MDK alles ablehnen was mir helfen könnte? Wie vermessen muss ein Arzt sein, nach drei Widersprüchen immer mit dem gleichen Argument abzulehnen – „Machen sie erst einmal eine Therapie“?
    Ich könnte schreien, weinen und hauen …

    Meine Ärztin unterstützt mich in dem Vorhaben, die Tabletten gegen Canaboide zu tauschen. Hier geht es nicht um Kiffen, nicht falsch verstehen. Wenn man Marihuana verdampft, so kann man über die Temperatur beeinflussen welche Canaboide freigesetzt werden, um so gezielt zu behandeln. Weg mit der Chemie und hin zu natürlichen Heilmethoden. Im Januar den Antrag gestellt inkl. der Kostenübernahme, im Anhang alle Ablehnungen bzw. Bescheide der Kliniken, die mich nicht behandeln wollen/können. Prompte erneute Ablehnung, Grund: „Machen sie erst einmal eine Therapie“!

    Widerspruch eingelegt mit allen Ablehnungen meiner Krankenkasse, die weder ambulante noch stationäre Behandlungen zahlen will. Nach zwei weiteren Widersprüchen habe ich kapituliert. Wiederholte Ablehnungen mit dem Argument: „Machen sie erst einmal eine Therapie“!

    Im August 2015 hatte ich das Glück, ins Waldschlösschen nach Dresden zu kommen. So dachte ich. Mein „Roter Faden“ zeigte sich in der siebten Woche, es war ein Montag. Eine Verwaltungsangestellte kam auf mich zu und sagte: „Herr Diegmann, am Freitag müssen sie abreisen. Ihre Krankenkasse hat leider den Kostenübernahmebescheid noch nicht geschickt. Bitte bereiten sie sich auf zu Hause vor.“ Sofort waren alle Therapiestunden abgesagt. Völlig allein gelassen mit all meinen Ängsten, schrecklichen Gefühlen und Gedanken.

    Sechs Wochen tief in die Vergangenheit einzutauchen, vieles hoch kommen lassen und sich damit auseinanderzusetzen, kostet Unmengen an Energie. Und dann steht man wieder allein da. Ich bin dann am Freitag, den 7. August, heimgefahren. Zu Hause angekommen musste ich feststellen, dass ich es in meiner Wohnung nicht aushalte, alles war fremd und bereitete mir Unbehagen. Ich habe meist auf der Dachterrasse geschlafen.

    Montags ging ich die Post holen und siehe da, der Kostenübernahmebescheid war da. In Dresden im Waldschlösschen angerufen, und: „Das tut uns leid Herr Diegmann, sie stehen auf der Warteliste.“ Jackpott, so geht man in Deutschland mit Betroffenen um. Wie soll ich je wieder in die Schulmedizin vertrauen können? Wie? Wenn sie so offen zeigen, dass  es nur um Geld geht! Unikliniken wie Essen und Bochum sagen, eine Behandlung sei nach dieser Erfahrung nicht möglich.

    Jetzt komme ich auf meine Canaboidkur zurück: „Machen sie doch erst einmal eine Therapie!“

    Erschreckend ist, dass ich nach Dresden ins Waldschlösschen  über den Fonds sexueller Missbrauch in Berlin gekommen bin, der auch die Kosten für meine ambulante und die stationäre Therapie trug und zahlte; daher hatte die Klinik einen Kostenträger. Allerdings müssen die Kliniken auch bei Zahlung eines Dritten den Antrag für die stationäre Behandlung bei der Krankenkasse stellen und die Zustimmung einholen.

    Durch das nicht Aushalten und Wohlfühlen in meiner eigenen Wohnung ist die Tour41 entstanden.

    Am 21. Dezember 2015 kam eine Einladung vom Waldschlösschen in Dresden für den 23.12.2015. Frohe Weihnachten und ein tolles neues Jahr … Für wie dumm halten die uns?

    Was läuft schief in unserem Land? Es geht nur um Geld, nicht um Hilfe. Daher haben wir den Verein Tour41 e.V. gegründet. Um solche Missstände abzubauen, müssen wir zusammenstehen, uns verbünden. Wir müssen wachsen, wachsen an Mitgliedern und Spenden. Das Schweigen brechen!

    Vielen Dank

    Picasso und Markus