Wenn die Verzweiflung ruft – Und jetzt?

Seit ungefähr einem halben Jahr verändert sich mein Tagesablauf, oft schaffe ich es nicht in den Tag zu finden. Picasso und ich leben so sehr zurückgezogen, dass er mittlerweile völlig erschöpft ist –wie auch ich – nach ein paar Stunden in Gesellschaft oder unter Menschen. Picasso meistert diese Tage mit vielen Menschen mit Bravour, ich bin einfach nur glücklich, ihn zu haben. Er passt sich immer meiner Tagesform ohne Wenn und Aber an, er fordert nichts, außer sehr viel Nähe. Wir verstehen uns blind, ohne meinen Picasso hätte ich meinen Lebensmut schon verloren. Mein Tipp für alle Betroffen, Überlebenden und Opfer: legt euch einen solchen Freund zu, er ist immer ehrlich und immer da! Dennoch bin ich so sehr gefangen in mir selbst, dass ich es kaum schaffe, meine freie Zeit sinnvoll zu nutzen, sei es einen klaren Gedanken zu fassen oder einem Plan zu folgfen, es geht dann einfach nichts. Sei es mit Picasso zu trainieren oder ihn gar auszulasten. Um den Tag herrum zu bekommen würde ich mich am liebsten jeden Tag betäuben. Ich lebe jetzt seit zwei Jahren auf der Straße, ohne Heimat und ohne Anker. Was habe ich alles verpasst in meinem Leben? Ich liebe meinen Sohn über alles, es war mir jedoch verwehrt mit ihm aufzuwachsen. Den Alltag mit ihm erleben zu dürfen, da zu sein, wenn er krank war oder einfach den Alltag zu haben. Ich bin mein Leben lang hinter einem Traum hergerannt. Dem Traum von Familie, Geborgenheit, Sicherheit und ganz wichtig für mich: einem Anker. Doch mein innerlicher Drang, meine Fluchtgefühl, der ist so unglaublich groß, dass es einfach nicht machbar ist, jemals einen Punkt auf diesem Planeten zu finden um sesshaft zu werden. Meinen Anker und mein Urvertrauen habe ich im Alter  von fünf Jahren verloren und seither irre ich umher und weiß nicht wirklich, wo ich hingehöre. Aber wie soll ich jemals einen Anker finden, wenn ich nie in meinem Leben einen Menschen an mein Herz lassen kann, der Fluchtrieb steckt in jeder verdammten Zelle in mir. Der Kopf sagt „du hast keine Schuld und du brauchst dich nicht schämen“, dennoch ist das Gefühl immer wieder gleich, „warum habe ich mich nicht gewehrt?“, „ich bin selber schuld“. Ich kenne so viele schlimme Geschichten und kann nicht helfen. Eine Geschichte schlimmer als die andere, dennoch sind wir Überlebenden alle gleich. Wir haben denselben „Roten Faden“ in unserem Leben. Der hat mit Absturz, Schmerz und Fehlentscheidungen zu tun. Wir sind die, die immer kämpfen müssen, bei Betroffenen läuft nichts gerade. Das ist wie mit den Tätern, die lesen auf unserer Stirn, die oder den kannst du haben. Ich kenne kaum Betroffene, die nur einen Täter haben.

Ich brauch alle Hilfe dieser Welt, es geht um 41 Kinder, 41 angezeigte Fälle von schwerem sexuellem Kindesmissbrauch und das jeden Tag! Wenn Du Vater, Mutter, Onkel oder was auch immer bist und kennst Kinder in deinem Umfeld, dann solltest du aufstehen, mit uns kämpfen. Unsere Kinder sind unsere Zukunft und sie sind in großer Gefahr.

Inklusive der Dunkelziffer reden wir von über 800 Kindern jeden Tag …

 

Herzlichen Dank

Picasso & Markus

 

 

3 Gedanken zu „Wenn die Verzweiflung ruft – Und jetzt?“

  1. Mensch Markus, ich würd dir so gern Hoffnung machen… es geht, es gibt einen Weg da raus… Du kannst dich selber retten, mit der Hilfe von anderen. Ich bin nur ein einziges Beispiel. Davon gibt es aber viele. Auch. Ja, es dauert scheinbar ewige Jahre, und es scheint einen fast umzubringen… aber es ist möglich… kämpfe auch für DICH!!!

  2. Es tut sich was ………achtet auf die letzten 10 Seiten , weshalb es so schleppend ist bis nichts passiert ist, auch das Beispiel Peggy Knobloch und Justiz , Und unsere Politik hat das alles schon mitgetragen , weil wie Seehofer es ausdrückte: Die Gewählten haben nichts zu entscheiden und die Entscheider wurden nicht gewählt .https://www.youtube.com/watch?v=Fgxj_QE8QOs

    Viele Grüße

    Margarete Köhler

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