Info Angehörige

Übersicht: Quelle: mit Dank an: missbrauch-opfer.de
* Geduld
* Die Bedürfnisse der/des Überlebenden
* Panikattacken
* Sicherheit
* Reden
* Körperliche Nähe und Sexualität
* Vorwürfe
* Vergesslichkeit
* Konflikte und Streit
* Wichtige Verhaltensregeln
* Vertrauen
* Kontrolle
* Bedürfnisse und Grenzen
* Wenn Sie mit dem Täter verwechselt werden
* Das Leben

Geduld:
Man braucht Geduld. Die Heilung ist ein langer und harter Prozess, für beide. Seien Sie geduldig, aber auch mit sich selbst. Heilung ist möglich. Helfen Sie Ihrem Partner/in, sich dessen Folgeschäden bewusst zu machen. Fragen Sie sie/ihn nicht aus, drängen Sie nicht, seien Sie einfach nur da und hören Sie zu.

Die Bedürfnisse der/des Überlebenden:
Das Bedürfnis nach Nähe und Distanz ist extrem schwankend.
Gehen Sie auf die Bedürfnisse des Partners ein, soweit es Ihre eigenen Grenzen nicht überschreitet. Versuchen Sie zu verstehen. Wenn sie/er reden will und Sie haben Zeit, dann setzen Sie sich hin und hören Sie zu. Wenn sie/er Nähe sucht und es für beide passend ist, dann seien Sie sich nah. Respektieren Sie dabei immer ihre/seine Grenzen, nehmen Sie die Gefühle des anderen ernst. Schmerz, Angst, Aggressionen können unter anderem Reaktionen (durch Trigger) sein.

Panikattacken:
Spielen Sie Panikattacken Ihres/r Partner/in nicht herunter, machen Sie es nicht schlimmer als es schon ist. Fragen Sie, ob Sie helfen können.
Es ist empfehlenswert, über eventuelle Hilfemaßnahmen schon im Vorfeld zu sprechen.
Geraten Sie nicht selbst in Angst und Panik, damit können Sie nicht helfen. Versuchen Sie Vertrauensperson zu sein.

Sicherheit:
Geben Sie Ihrer/Ihrem Partner/in so viel Sicherheit wie möglich.
Ermöglichen Sie ihr/ihm einen eigenen Raum für sich zu haben.
Zeigen Sie Ihrem Partner, dass Sie für sie/ihn da sind. Unterstützen Sie sie/ihn darin, Hilfe anzunehmen. Falls nicht schon geschehen, helfen Sie Ihrer/Ihrem Partner, entsprechende Stellen, Organisationen, Therapeuten zu finden.

Reden:
Reden Sie auch über Ihre eigenen Sorgen, Probleme, Ängste und Verletzungen. Dadurch wird es leichter für Ihre/n Partner/in, durch ihren/seinen eigenen Schmerz hindurch zu sehen und zu erkennen, dass auch Sie ein Mensch mit Sorgen und Problemen sind.

Körperliche Nähe und Sexualität:
Nähe ist ein sehr empfindliches und kompliziertes Thema in Beziehungen zu Überlebenden.
Achten Sie immer darauf, was sie/er möchte und setzen Sie sie/ihn nie unter Druck. Fordern Sie nie von ihr/ihm oder tun Sie gar etwas, was sie/er nicht will oder kann, aus welchen Gründen auch immer. Es kann immer passieren, dass sie/er aufhören möchte, wenn es gerade für Sie am Schönsten ist.

Werfen Sie es ihr/ihm nicht vor, sondern respektieren und akzeptieren Sie es.
Fragen Sie sie/ihn, was sie/er jetzt braucht, reden Sie mit ihr/ihm, fragen Sie sie/ihn, was der Auslöser für einen Flashback war, aber haken Sie nicht nach, wenn sie/ er es nicht aussprechen kann.
Sie können auch ein Zeichen verabreden, mit denen sie/er Ihnen dann sagen kann, wenn es ihr/ihm zuviel wird.
Reden Sie auch mit ihr/ihm über Ihre eigenen Bedürfnisse, Ihre Wünsche und natürlich auch über ihre/seine Vorstellungen. Kommunikation ist hier das beste.
Und wenn sie/er nicht darüber reden kann, hilft vielleicht aufschreiben, oder sie/er zeigt Ihnen anhand eines Buches, was sie/ er mag und was nicht.

Vorwürfe:
Werfen Sie ihr/ihm nie vor, auf was Sie alles verzichten müssen oder was sie/er nicht schafft.
Das würde Ihren Partner nur unter Druck setzen und sie/er bekommt Schuldgefühle.
Sie/er weiß schon, worauf Sie als Partner verzichten müssen, gerade was körperliche Nähe betrifft.

Vergesslichkeit:
Es kann immer wieder passieren, dass die/der Überlebende wichtige Dinge vergisst. Oft deswegen, weil sie/er zur Zeit an nichts anderes mehr denken kann, als an den Missbrauch.
Die Verarbeitung ist harte Arbeit und verbraucht viel Energie. Es werden die alltäglichsten Dinge vergessen, weil sich der Missbrauch über alles stülpt.
Versuchen Sie, sie/ihn so gut wie nur möglich zu unterstützen, indem Sie sie/ihn an wichtige Dinge erinnern, aber nie vorwurfsvoll oder bemutternd.

Konflikte / Streit:
Viele Überlebende haben Angst vor Streit, weil sie glauben, wenn jemand mit ihnen streitet, werden sie nicht mehr geliebt.

Wichtige, bewährte und durchaus allgemeingültige „Verhaltensregeln“ bei Streit:
– ruhig und sachlich bleiben
– nicht laut werden
– schreit Euch nicht an
– Beleidigungen, Erpressungen, Drohungen von Gewalt, Verlassen und sonstige Androhungen sind absolut tabu!
– wilde Gesten vermeiden, das könnte sie/ihn in Angst versetzen
– sich gegenseitig ausreden lassen
– genau zuhören was der andere sagt
– nie verallgemeinern, beziehen Sie sich nur auf das eine Problem in der jeweiligen Situation
– machen Sie sie/ihn nicht schlecht vor anderen, oder zeigen anderen ihre/seine Schwächen

Vertrauen:
Überlebende sind häufig nicht mehr in der Lage zu vertrauen, und dieses verloren gegangene Vertrauen muss nun langsam wieder aufgebaut werden.
Wann immer Sie ihr/ihm etwas versprechen, achten Sie darauf, dass Sie es hundertprozentig einhalten können und auch einhalten.
Wenn Sie das immer wieder tun, schaffen Sie Vertrauen.

Kontrolle:
Sie haben vielleicht den Eindruck, dass sie/er immer über alles die Kontrolle haben will.
Manchmal ist es offensichtlich, manchmal nicht, zum Beispiel wenn schlechte Laune oder mangelndes Interesse vorgeschoben wird.
Seien Sie sich klar darüber, dass Sie es hier mit einem Überlebensmuster zu tun haben, welches absolut lebenswichtig für Ihre/n Partner/in war.
Teilen Sie ihm/ihr Ihre Bedürfnisse mit, und machen sie Vorschläge zur Verbesserung der jeweiligen Situation.

Bedürfnisse und Grenzen:
Machen Sie sich Ihre eigenen Bedürfnisse klar.
Lernen Sie, eigene vernachlässigte Bedürfnisse zu erkennen und zu befriedigen.
Setzen Sie sich selbst Grenzen. Es hilft nicht, wenn Sie sich selbst überfordern oder aufopfern. Zeigen Sie Ihrem Partner, dass auch Sie Ihre Freiheiten und Auszeiten brauchen, denn Sie sind ein eigenständiger Mensch und kein Therapeut für Ihren Partner/in.
Wenn Sie wissen wer Sie sind und zu sich selbst stehen, dann geben Sie Ihrem Partner/in ein Bild von sich, welches Vertrauen vermittelt.

Wenn Sie mit dem Täter verwechselt werden:
Oft passiert es, durch eine Geste, ein Wort, sexuelle Leidenschaft, Zorn usw., dass Sie mit dem Missbraucher verwechselt werden.
Sobald Sie merken, dass ihre/seine Reaktionen sich nicht mehr auf Sie, sondern auf den Täter beziehen, greifen Sie sofort ein, fragen Sie:
„Wo bist du gerade?“ oder: „Was hat dich erschreckt?“
Wenn Sie beide die Auslöser und die damit verbundene Übertragung kennen, fällt es Ihnen leichter, Gegenwart und Vergangenheit zu unterscheiden, das ist auch sehr wichtig für ihre/seine Heilung.

Das Leben:
Achten Sie darauf, dass Sie beide das Leben nicht vergessen.
Erinnern Sie sie/ihn daran, zu leben. Gehen Sie aus, treffen Sie sich mit Freunden und haben Sie gemeinsam Spaß.
Es nützt keinem Überlebenden, dass er oder sie in Watte gepackt wird, denn das Überbewerten, das über allem stellen, ist nicht im Sinne der meisten Betroffenen.

 

 

Quelle: mit Dank an: missbrauch-opfer.de