Seit April 2020 ist der Tour41 e.V. Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung, -vernachlässigung und sexualisierter Gewalt e.V. DGfPI

Aktivismus am 28.09.2018, 25.05.2019 und 05.10.2019 mit unseren Mitstreitern in Freiburg:  Aktiv gegen sexuellen Missbrauch an Kindern  

Zitat des “Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs” Herrn Rörig:

Sexuelle Gewalt gehört zum Grundrisiko einer Kindheit in Deutschland. Tausenden Mädchen und Jungen wird in Deutschland durch sexuelle Gewalt größtes Leid zugefügt – Tag und Nacht, mit schweren und schwersten Folgen, unter denen sie oft ein Leben lang leiden. Ich frage mich schon, in was für einer Gesellschaft wir leben, die ohne großen Aufschrei Jahr für Jahr hinnimmt, dass mehr als 12.000 Ermittlungs- und Strafverfahren wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durchgeführt werden. Und wir wissen, das Dunkelfeld ist um ein Vielfaches größer. Neueste Studien sprechen davon, dass rund jeder Siebte in Deutschland von sexueller Gewalt in der Kindheit betroffen ist. Aktuell müssen wir davon ausgehen, dass in jeder Schulklasse mindestens ein bis zwei Kinder sind, die Missbrauch erleiden oder erlitten haben.”

“Prävention sexueller Gewalt gegen Kinder & Jugendliche ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe!”

Zitat des Tour41 e.V.:

Wir müssen raus aus dem Tabu, ganz nach dem Motto „Wissen hilft schützen“.

Es geht nicht darum, ein Klima des Misstrauens zu schaffen; ganz im Gegenteil. Ein offener Umgang mit dem Thema Missbrauch durch Information und Aufklärung beseitigt Unsicherheiten, setzt den Tätern Grenzen und eröffnet Räume für Betroffene, ihr Schweigen zu brechen.

Prävention sexueller Gewalt gegen Kinder & Jugendliche gehört in sämtliche Bereiche der Gesellschaft. Wir alle sind gefragt, uns umfassend zu informieren und das Tabu zu brechen. 

Unser Schwerpunkt liegt derzeit auf dem Bereich SCHULE:

Choice – Voice – Exit

Prävention durch Information und Aufklärung als Chance für Handlungskompetenz und Intervention

Schule als der ideale Ort der Prävention von sexualisierter Gewalt

Am 19. September 2016 startete in Nordrhein-Westfalen die bundesweite Initiative
„Schule gegen sexuelle Gewalt“ des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Herrn Rörig. Weitere Bundesländer folgten bis Ende 2018.

Ziel ist es, die Schulen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, die von sexueller Gewalt betroffen sind, fachlich zu unterstützen und zu ermutigen, eigene Konzepte zum Schutz vor sexueller Gewalt zu entwickeln, denn statistisch gesehen sitzen in jeder Schulklasse mindestens 1 – 2 Kinder, die betroffen sind. Dies soll dazu beitragen, die Unsicherheit von Schulleitungen, Lehrkräften und anderen schulischen Beschäftigten beim Umgang mit dem Thema sexuelle Gewalt abzubauen.

Schulen sollen nun, ähnlich wie Einrichtungen und Institutionen in den letzten Jahren, Risikoanalysen durchführen und auf Basis bereits bestehender Strukturen und der durch Analyse transparent gewordenen Veränderungsbedarfe, Schutzkonzepte entwickeln. Das ist leichter gesagt als getan; denn Schulen haben viele “Baustellen” und die alltäglichen Anforderungen sind hoch. Eine gesetzliche Verpflichtung zum Schutzkonzept gibt es bisher nur im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. Für Schulen wird sie diskutiert und vermutlich bald gesetzlich vorgeschrieben.

Mit Hilfe zahlreicher zur Verfügung gestellter Materialen und Handlungsempfehlungen soll es gelingen, in Sachen Prävention tätig zu werden, Konzepte zum Schutz von Kindern und Jugendlichen zu entwickeln und zum festen Bestandteil der täglichen Arbeit werden zu lassen.

Alles rund um Schutzkonzepte und ihre Bestandteile:
https://www.schule-gegen-sexuelle-gewalt.de/bestandteile/

Materialien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), zur “Trau Dich”-Initiative. Diese können von Schulen kostenlos bestellt und/oder als pdf heruntergeladen werden:
https://www.bzga.de/infomaterialien/praevention-des-sexuellen-kindesmissbrauchs/

Ein Webportal mit vielen hilfreichen Links und Arbeitsmaterialien zum Schutz vor sexueller Gewalt mittels digitaler Medien wurde vom UBSKM initiiert:
https://www.wissen-hilft-schützen.de

Ist das Schutzkonzept dann einmal erfolgreich verabschiedet und zu Papier gebracht, darf es nicht in der Schublade verschwinden. Jetzt gilt es, alle Beteiligten mit ins Boot zu holen, zu informieren und Ideen für die praktische Umsetzung zusammenzutragen. Die Herausforderung ist die Implementierung eines gelebten Schutzkonzeptes, das nachhaltig besteht und niederschwellige Hilfe bietet.

Schutzkonzepte und nachhaltige Prävention sind nie ein fertiges Produkt. Es gibt immer viele Komponenten, die zusammengefügt werden sollten, um am Ende einen auf die Schule und ihre SchülerInnen zugeschnittenen und geeigneten Schutzrahmen zu bilden. Meist setzt dies die Bereitschaft und das Engagement Einzelner voraus, sich über das normale Maß hinaus mit dem Thema sexualisierte Gewalt zu beschäftigen.

Ein Schutzkonzept sollte aus der Institution heraus entstehen und nicht durch eine übergeordnete Stelle übergestülpt werden. So entsteht ein offener Dialog, der dem Abbau von Unsicherheiten dient und eine positive Signalwirkung für die Mitarbeitenden hat. Denn Schutzkonzepte schützen sowohl die Kinder & Jugendlichen als auch die Mitarbeiter.

Zielführend ist es, einen Arbeitskreis aus dem Kollegium zu bilden, der sich das Thema “auf die Fahne” schreibt und intensiv geschult wird. Die Schulsozialarbeit, sofern vorhanden, sollte in jedem Fall beteiligt werden. Die Mitglieder des AK würden somit als Multiplikatoren und Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Fachberatungsstellen in der Nähe bieten häufig adäquate Hilfe in Form von Beratung zu Schutzkonzepten und Fortbildungen an. Leider gibt es aber derzeit noch zu wenige Angebote in diese Richtung.

Wie kann man Prävention also nachhaltig und niederschwellig im Bereich Schule installieren und die Hürden der Ansprechbarkeit und Hilfesuche im Bedarfsfall heruntersetzen?

Dazu haben wir uns einige Gedanken gemacht und ein Konzept im Rahmen von Peer-Education entwickelt!

Wie zu erkennen ist:

Präventionsangebote sind nur ein kleiner Bestandteil von Schutzkonzepten! Die Grundlage sollte immer ein solides Schutzkonzept bilden, auf dessen Fundament Prävention gedeihen kann.

Informationsabende und individuelle Workshops zum Thema Schutzkonzeptentwicklung & Präventionscoaching können wir voraussichtlich ab Herbst 2020 in unseren Räumlichkeiten in 51515 Kürten anbieten. Anfragen an: [email protected] .

Bis zum 30.09.2020 können sich Interessierte in verschiedenen E-Learning-Kursen fortbilden. Das Projektteam um Prof. Fegert stellt dieses wertvolle Angebot befristet kostenfrei zur Verfügung:

Der Hintergrund von Peer-Offenlegung

Ergebnisse der ersten BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung)-Förderlinie und nationaler sowie internationaler Studien haben ergeben:

  • Jugendliche, die sexualisierte Gewalt erfahren haben, vertrauen sich mit höherer Wahrscheinlichkeit Gleichaltrigen an als Erwachsenen.
  • Gleichaltrige spielen neben Familienmitgliedern eine wichtige Rolle bei der Kontaktaufnahme der betroffenen Personen mit dem Hilfesystem.
  • Nur 66 % der Präventionsangebote thematisieren Peer-Offenlegung grundsätzlich. Die Qualität dieser Thematisierung hängt erheblich von den persönlichen Kompetenzen des/der Beratenden ab.
  • Freundinnen und Freunde scheinen die am meisten unterstützende aller möglichen Ressourcen zu sein. (Ullmann, 2003) (Reitsema/Grietens 2016, S. 334)
  • Besonders enge (Peer-) Beziehungen scheinen eine wichtige Rolle zu spielen, um Jugendlichen die Aufdeckung von sexuellem Missbrauch zu erleichtern.
    (Priebe & Svedin 2008 In Lemaigre u. a. 2017, S.49)

Ein geschultes Umfeld minimiert die negativen Auswirkungen von Offenlegung für Betroffene!

Zwischen 25 % und 75 % der Menschen, die sexuelle Gewalt offenlegen, erfahren eine negative Reaktion ihrer Gegenüber. (Ahrens, Cortney, 2006)

Negative Reaktionen können bewusste und unbewusste Abwehr- und Ablehnungsreaktionen sein, sowie gut gemeinte Unterstützungsleistungen, die dennoch als negativ empfunden werden (z. B. die Förderung von Geheimhaltung, bevormundendes Verhalten). (Ahrens, Courtney, 2006)

Ein geschultes Umfeld minimiert die negativen Auswirkungen von Offenlegung für Betroffene!

Quelle: Deutsches Jugendinstitut DJI https://www.dji.de/ueber-uns/projekte/projekte/peers-als-adressatinnen-und-adressaten-von-disclosure-und-bruecken-ins-hilfesystem.html

Der DJI forscht bis 2021 zum Thema Peer-Disclosure im Rahmen einer Projekt-Studie.

Die Durchführung des Projekts wird von einem Beirat begleitet, in dem von sexualisierter Gewalt Betroffene, für das Feld einschlägige Wissenschaftlerinnen sowie Fach- und Leitungskräfte aus der Präventionspraxis vertreten sind. Der Beirat begleitet die Durchführung des Projekts auch unter forschungsethischen Gesichtspunkten und wirkt aktiv bei der Diskussion der Ergebnisse und den daraus resultierenden Präventionsmodulen mit. 

Markus Diegmann ist im Namen des Tour41 e.V. Mitglied im Beirat zur Studie.

Weiteres demnächst an dieser Stelle …..

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