MitSprache statt Schweigen – Wir waren dabei

Am 14. und 15. September hatten wir uns auf den Weg gemacht:
Zum Kongress #MitSprache des #Betroffenenrates nach Berlin –
gespannt was uns erwarten würde.

An beiden Tagen waren sowohl der #UBSKM Herr Rörig als auch die Mitglieder der #Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs anwesend. Unsere Familienministerin Frau Giffey hielt eine starke Rede – nicht das Gerede um den heißen Brei, dass man von den meisten Politikern gewohnt ist – sondern impulsiv und überraschend direkt auf den Punkt gebracht. Sie versprach, sich für Veränderungen stark zu machen, betonte aber überraschend ehrlich, dass die Politik ja leider nicht so schnell sei. Sie würde sich aber beharrlich für unser Thema stark machen und nicht aufgeben. Ihr Ausspruch: Penetranz schafft Akzeptanz! Als ehemalige Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln spricht sie wunderbar offen und erfrischend direkt. Ingo Fock, Gründer des Vereins  #gegen-missbrauch e.V., der gemeinsam mit Kerstin Claus den Workshop zum OEG (Opferentschädigungsgesetz) und EHS (Ergänzendes Hilfesystem; Fonds sexueller Missbrauch) leitete, überreichte Frau Giffey eine Liste mit  Reformforderungen, die zuvor mit den Workshop-Teilnehmern erarbeitet wurden.

Neben dem Workshop zu OEG und EHS konnten wir uns außerdem zu den Themen  Schutzkonzepte, Aktivismus und psychosoziale Prozessbegleitung einbringen. Beeindruckend und zugleich erschütternd waren auch die Ausführungen der internationalen Gäste  aus 12 Ländern. Hier wurde das globale Ausmaß der sexuellen Ausbeutung von Kindern bewusst.

Zum Abschluss zogen wir gemeinsam zum Reichstag – mit den Plakaten bewaffnet, die im Aktivismus-Workshop hergestellt wurden . Wir bildeten einen Kreis und hielten eine Minute inne – eine Schweigeminute zum Gedenken an die, die nicht überlebt haben. Ela und ich gedachten unseres Bruders

Heute können wir sagen: Danke, dass wir dabei sein durften! Dieses Wochenende war so intensiv, emotional, informativ, bewegend und beeindruckend, dass es in uns noch jetzt nachwirkt und bestimmt noch lange nachwirken wird.

In diesem Maße erlebbar wurde die Veranstaltung durch die Beteiligung der vielen Betroffenen (250), Betroffeneninitiativen und Vereine – nationale und internationale. Wir konnten gute Gespräche führen (auch kurz mit Herrn Rörig), an Workshops teilnehmen, Kontakte knüpfen, unsere Erfahrungen und Einschätzungen einbringen, selbst neue Erfahrungen machen, andere Perspektiven und viele großartige Menschen kennenlernen und erleben.

Die meisten dieser Menschen – auch der Betroffenenrat – arbeiten wie wir auf ehrenamtlicher Basis. Sie setzen ihre ganze Kraft, Energie und Freizeit ein, um etwas zu bewegen, Missstände zu beseitigen, Veränderungen anzustoßen. Ein Thema war Vernetzung:

Gemeinsam sind wir stärker – weil wir so viele sind – auch DU kannst etwas tun! Nur ein kleiner Teil dessen, was getan werden muss → Verjährungsfrist abschaffen !

Berlin wir kommen wieder …

Herzlichst
Eure Steffi

Mein Traum – 1 Million Unterschriften und das mal 2

Was für eine Woche! Zuerst Schwerin mit all den Erlebnissen und den vielen Betroffenen an meinem Stand. Dann der Kongress MitSprache mit dem  UBSKM und dem Betroffenenrat. So viele Emotionen in so komprimierter Zeit hinterlassen Spuren. Zur Krönung die Gedenkminute mit so vielen Mitstreitern am Deutschen Bundestag. Für die, die es nicht überlebt haben. Seither habe ich einen wirren Traum: Stellt euch vor, wir haben 1.000.000 Unterschriften auf Papier und 1.000.000 Unterschriften bei www.change.org/kindesmissbrauch. Wahnsinn!
Bitte liebe Leser, unterzeichnet online und auf unseren Listen.

Vielen Dank

Picasso & Markus

Wenn die Verzweiflung ruft – Und jetzt?

Seit ungefähr einem halben Jahr verändert sich mein Tagesablauf, oft schaffe ich es nicht in den Tag zu finden. Picasso und ich leben so sehr zurückgezogen, dass er mittlerweile völlig erschöpft ist –wie auch ich – nach ein paar Stunden in Gesellschaft oder unter Menschen. Picasso meistert diese Tage mit vielen Menschen mit Bravour, ich bin einfach nur glücklich, ihn zu haben. Er passt sich immer meiner Tagesform ohne Wenn und Aber an, er fordert nichts, außer sehr viel Nähe. Wir verstehen uns blind, ohne meinen Picasso hätte ich meinen Lebensmut schon verloren. Mein Tipp für alle Betroffen, Überlebenden und Opfer: legt euch einen solchen Freund zu, er ist immer ehrlich und immer da! Dennoch bin ich so sehr gefangen in mir selbst, dass ich es kaum schaffe, meine freie Zeit sinnvoll zu nutzen, sei es einen klaren Gedanken zu fassen oder einem Plan zu folgfen, es geht dann einfach nichts. Sei es mit Picasso zu trainieren oder ihn gar auszulasten. Um den Tag herrum zu bekommen würde ich mich am liebsten jeden Tag betäuben. Ich lebe jetzt seit zwei Jahren auf der Straße, ohne Heimat und ohne Anker. Was habe ich alles verpasst in meinem Leben? Ich liebe meinen Sohn über alles, es war mir jedoch verwehrt mit ihm aufzuwachsen. Den Alltag mit ihm erleben zu dürfen, da zu sein, wenn er krank war oder einfach den Alltag zu haben. Ich bin mein Leben lang hinter einem Traum hergerannt. Dem Traum von Familie, Geborgenheit, Sicherheit und ganz wichtig für mich: einem Anker. Doch mein innerlicher Drang, meine Fluchtgefühl, der ist so unglaublich groß, dass es einfach nicht machbar ist, jemals einen Punkt auf diesem Planeten zu finden um sesshaft zu werden. Meinen Anker und mein Urvertrauen habe ich im Alter  von fünf Jahren verloren und seither irre ich umher und weiß nicht wirklich, wo ich hingehöre. Aber wie soll ich jemals einen Anker finden, wenn ich nie in meinem Leben einen Menschen an mein Herz lassen kann, der Fluchtrieb steckt in jeder verdammten Zelle in mir. Der Kopf sagt „du hast keine Schuld und du brauchst dich nicht schämen“, dennoch ist das Gefühl immer wieder gleich, „warum habe ich mich nicht gewehrt?“, „ich bin selber schuld“. Ich kenne so viele schlimme Geschichten und kann nicht helfen. Eine Geschichte schlimmer als die andere, dennoch sind wir Überlebenden alle gleich. Wir haben denselben „Roten Faden“ in unserem Leben. Der hat mit Absturz, Schmerz und Fehlentscheidungen zu tun. Wir sind die, die immer kämpfen müssen, bei Betroffenen läuft nichts gerade. Das ist wie mit den Tätern, die lesen auf unserer Stirn, die oder den kannst du haben. Ich kenne kaum Betroffene, die nur einen Täter haben.

Ich brauch alle Hilfe dieser Welt, es geht um 41 Kinder, 41 angezeigte Fälle von schwerem sexuellem Kindesmissbrauch und das jeden Tag! Wenn Du Vater, Mutter, Onkel oder was auch immer bist und kennst Kinder in deinem Umfeld, dann solltest du aufstehen, mit uns kämpfen. Unsere Kinder sind unsere Zukunft und sie sind in großer Gefahr.

Inklusive der Dunkelziffer reden wir von über 800 Kindern jeden Tag …

 

Herzlichen Dank

Picasso & Markus

 

 

Tour41 zu Gast in Schwerin – führt zu strafmildernden Umständen?

Anlässlich eines Verhandlungstags (nicht der letzte) i.S. des Missbrauchs-Skandals im Schweriner Jugendclub „Power for Kids“ machte sich die Tour41  auf den Weg nach Schwerin. Markus Diegmann stellte sich mit der Enola  (=Infomobil) vor das Landgericht. Zunächst sollte Markus nur umparken. Dann kam der Platzverweis vom vorsitzenden Richter: „Es würde sich strafmildernd auswirken“. Warum Markus Anwesenheit vor dem Gerichtsgebäude Einfluss auf das Verfahren haben soll – strafmildernd für den mutmaßlichen Täter – ist uns ein Rätsel!

Keine 30 Unterschriften sind gestern zusammen gekommen. Und heute…?
„Neuer Tag – neues Glück“

Zum Fall „Power for Kids“:
Wegen 53-fachen Missbrauchs und Vergewaltigung von Kindern wurde Peter B. Gründungsmitglied und Mitarbeiter des Jugendclubs bereits zu sechseinhalbjährige Haftstrafe verurteilt. Mehr Kinder meldeten sich… nun werden erneut 31 Taten angeklagt….bei einer erneuten Verurteilung – droht (erst jetzt!) Sicherheitsverwahrung…

#JaIchBin – Weil wir so viele sind

          Tour41 (Markus)             Weil wir so viele sind!             #JaIchBin

 

Raus aus der Dunkelheit, mach dich sichtbar:
Schicke uns ein Kinderbild und einen Satz
der dich in deiner Kindheit begleitet hat
und dich heute nicht loslässt!
Zeige so das WIR unglaublich viele sind…

 

                   Tour41                   Weil wir so viele sind!                 #JaIchBin

                   Tour41                   Weil wir so viele sind!                 #JaIchBin

                   Tour41                   Weil wir so viele sind!                 #JaIchBin

 

 #JaIchBin ist ein Hashtag
für alle Betroffenen
von sexuellem Missbrauch und Gewalt in der Kindheit,
für alle Überlebenden,
für alle Opfer und Angehörigen