Erweitertes Führungszeugnis – eine trügerische Sicherheit

Unglaublich: Für Einträge im Erweiterten Führungszeugnis gibt es eine relativ kurze „Haltbarkeit“!

Ihr Lieben;
wir wissen, es gibt viel zu tun und viel zu verändern und wir wissen, dass unsere bisherige „Mission“ zur Abschaffung der Verjährungsfrist nur einen kleinen Teil des tatsächlichen Reformbedarfs abdeckt. Den Forderungen und Feststellungen des Betroffenenrates und des UBSKM schließen wir uns hier vollumfänglich an =>

Stellungnahme des Betroffenenrats zum Reformbedarf des Sexualstrafrechts

Missbrauchsbeauftragter und sein Beirat fordern bessere Verfahrensabläufe in den Hilfe- und Rechtssystemen

Je weiter wir in die Tiefen der Thematik einsteigen, desto deutlicher wird, wie hilfreich die Regelungen in unserem Rechtssystem doch oft den Tätern und Täterinnen sind. Und im Gegensatz zu manch einer Fachkraft bei Polizei und Justiz, sind und werden die Täter und Täterinnen sehr gut informiert.

So finden sich in verschiednen Foren immer wieder Fragen von Tätern und Täterinnen nach Löschungsfristen von Einträgen aus Erweiterten Führungszeugnissen, wie z. B.:“Ich studiere gerade Lehramt und muss für mein Praktikum ein Erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Wegen § 176a wurde ich vor einiger Zeit verurteilt. Wann wird der Eintrag gelöscht?“

Eine liebe Mitstreiterin hatte ein interessantes und langes Gespräch mit einem erfahrenen Kriminaldirektor und Sonderermittler in einem aktuellen Fall. Ursprünglich wollte sie ihre Empörung über die Leugnung von organisiertem rituellen Missbrauch durch die bekannte Kriminalpsychologin Lydia Benecke zum Ausdruck bringen.

Was sie u. a. über die Löschungsfristen von Vorstrafen erfuhr, ist ein weiterer Grund, laut und aktiv zu werden!

In Bezug auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt ist es mittlerweile Standard, von allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, bei Einstellung ein erweitertes Führungszeugnis einzufordern. Dies ist auch fester Bestandteil von Schutzkonzepten.

Hierbei kann das Erweiterte Führungszeugnis allerdings höchstens als kleine Hürde und keinesfalls als Sicherheitsmerkmal betrachtet werden.

Denn:

  1. Die meisten Sexualstraftaten gegen Kinder kommen erst gar nicht zur Anzeige und somit nie vor Gericht;
  2. Selbst wenn angezeigt wird und es zur Verhandlung kommt, werden die Verfahren häufig wegen dünner Beweislage oder Aussage gegen Aussage eingestellt, Freispruch heißt nicht zwangsläufig unschuldig;
  3. Außerdem: Selbst wenn es zu einer Verurteilung kommt und ein Eintrag im Erweiterten Führungszeugnis erfolgt, wird dieser in der Regel nach 3 bzw. 5 Jahren, je nach Strafzumessung, gelöscht bzw. nicht mehr aus dem Zentralregister übertragen!

Ein Eintrag erfolgt nicht, wenn eine Geldstrafe unter 90 Tagessätzen oder eine Freiheitsstrafe von unter 3 Monaten verhängt wird.

Erst ab einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr gilt der Begriff „Verbrechen“, bei unter 1 Jahr oder Geldstrafe handelt es sich noch um ein „Vergehen“!

Ein unter Auflagen eingestelltes Verfahren wird nicht eingetragen!

Das wird dann wohl die nächste Petition!!!

 

Die Einzelheiten zu diesen Rechtsvorschriften werden wir demnächst unter „Aktuelle Gesetzeslage“ ergänzen.

 

Schuldumkehr und Selbstoffenbarung: 20 Ablenkungstaktiken von hoch manipulativen Narzissten, Soziopathen und Psychopathen, um Dich zum Schweigen zu bringen

Liebe Betroffenen, Interessierten, Unterstützer und Mitstreiter,

nicht nur in Bezug auf die zurückliegenden Wochen und Monate und die Begebenheiten um Rufmord, Hetze, Verleumdung und neuerdings auch Stalking bin ich immer noch auf der Suche nach Antworten. Den Herrn Günter N. (mittlerweile ehemaliges Mitglied) konnten wir auf unserer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 01.05.2019 nun persönlich und live in Farbe  erleben und ich kann sagen, dass wohl alle Anwesenden gleichermaßen geschockt, wenngleich nach den Erfahrungen der letzten Wochen nicht überrascht, über sein Verhalten und seine Äußerungen waren.

Die entscheidende Frage ist, wie ein Mensch oder eine kleine Gruppe von Menschen, andere dazu bringen können, trotz Ermangelung jeglicher Sachlichkeit, Beweise und persönlicher Kenntnis, ihnen Glauben zu schenken und sich sogar an den Verleumdungen zu beteiligen.

Durch persönliche Ansprache über E-Mail, Telefon und soziale Medien wird immer noch auf perfide Weise versucht, Stimmung gegen uns zu machen.

Durch ein kürzlich geführtes Gespräch wurde ich auf das Thema Schuldumkehr und Selbstoffenbarung aufmerksam gemacht und habe ein wenig recherchiert. Dazu habe ich einen sehr interessanten Text gefunden, den ich hier gerne vorstellen möchte und der sich in weiten Teilen mit Erfahrungen deckt, die wir in der letzten Zeit mit Günter N. und Dieter G. machen mussten. Ich könnte mir vorstellen, dass er auch für viele Leser viel mehr als nur interessant ist. Für mich war diese Lektüre jedenfalls wie eine Offenbarung. Denn als „normal“ denkender Mensch kann man sich manches Verhalten anderer nicht erklären und sucht die Fehler oft zu Unrecht bei sich selbst.

20 Ablenkungstaktiken von hoch manipulativen Narzissten, Soziopathen und Psychopathen, um Dich zum Schweigen zu bringen

Quelle: Shahi­da Ara­bi, Columbia University graduate school, 20.6.2016, thoughtcatalog.com

Tox­is­che Men­schen wie bösar­tige Narzis­sten, Psy­chopa­then und solche mit asozialen Zügen greifen zu mal­adap­tivem Ver­hal­ten in Beziehun­gen, die let­ztlich ihre inti­men Part­ner, Fam­i­lien­mit­glieder und Fre­unde aus­beuten, erniedri­gen und ver­let­zen. Sie ver­wen­den eine Vielzahl von Ablenkungstak­tiken, die die Real­ität ihrer Opfer verz­er­ren und von ihrer Ver­ant­wor­tung ablenken. Obwohl auch Nicht‐Narzissten diese Tak­tiken ein­set­zen kön­nen, benutzen sie die miss­bräuch­lichen Narzis­sten in über­mäßi­gem Aus­maß in dem Bemühen, der Ver­ant­wor­tung für ihre Hand­lun­gen zu entkom­men.

Hier sind die 20 Ablenkungstak­tiken tox­is­ch­er Men­schen, um Dich zum Schweigen zu brin­gen und Dich abzuw­erten:

  1. Gaslighting – Realität verleugnen
  2. Projektion
  3. Unsinnige Gespräche aus der Hölle
  4. Pauschale Aussagen und Verallgemeinerungen
  5. Bewusst Deine Gedanken und Gefühle bis zur Absurdität missverstehen
  6. Erbsenzählerei und Verschieben der Zielmarke
  7. Das Thema wechseln, um sich der Rechenschaftspflicht zu entziehen
  8. Verdeckte und offene Drohungen
  9. Beschimpfungen
  10. Destruktive Konditionierung
  11. Hetzkampagnen und Stalking
  12. Liebesbombardierung und Abwertung
  13. Präventive Verteidigung
  14. Triangulation
  15. Unschuld ködern und heucheln
  16. Grenzen testen und saugen
  17. Aggressive Stöße, als Witze verkleidet
  18. Herablassender Sarkasmus und gönnerhafter Ton
  19. Beschämung
  20. Kontrolle

… hier den ganzen Text lesen (13 Seiten)

 

 

Tour41 macht Schule: Projekt Präventionscoachs erfolgreich gestartet :)

Schutzkonzepte gehören nicht in die Schublade, sie müssen gelebt und in den Alltag integriert werden!

Engagierte SchülerInnen der Sekundarstufe II der Gesamtschule Kürten nahmen am Samstag, den 26.01.2019 an einer Einführungsveranstaltung zur Vorstellung des Projekts „Präventionscoachs“ teil.

Der Kurs, der sich voraussichtlich über ein Schulhalbjahr erstreckt, ist ein Pilotprojekt des Tour 41 e.V. in Kooperation mit der GSK, welches im Rahmen der Kampagne „Schule gegen sexuelle Gewalt“ durchgeführt wird. Die Kampagne des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung, Herrn Rörig, startete in NRW im Jahr 2016 und fordert Schulen auf, Schutzkonzepte gegen seuxelle Gewalt zu entwickeln.

Herr Dr. Hintze-Neumann, Abteilungsleiter I der Gesamtschule Kürten, begleitet das Projekt, in dem die Schüler zum Thema sexuelle Gewalt, Grenzverletzungen, Kinder- und Jugendrechte, Mobbing, Gefahren der digitalen Welt (Cybergrooming, Cybermobbing, Happy slapping) uvm. geschult und sensibilisiert werden.

Es soll ein nachhaltiges und niederschwelliges Angebot für ratsuchende Schüler geschaffen werden. Die Präventionscoachs haben ähnlich wie im Tutoren- oder Streitschlichtermodell eine Brückenfunktion. Im zweiten Teil des Kurses wird gemeinsam ein Konzept zur altersgerechten Vermittlung an die unteren Jahrgänge und Erleichterung von Ansprechbarkeit im Bedarfsfall erarbeitet.

Über die Fortschritte und das Ergebnis werden wir fortlaufend Bericht erstatten. Eines müssen wir  sagen: Von dem Interesse und dem Einsatz der SchülerInnen sind wir bereits jetzt begeistert! Da im Stundenplan kein Platz mehr war, opfern sie ihre Freizeit. Respekt!

Wir freuen uns auf eine spannende und erfolgreiche Zusammenarbeit!

Steffi & Markus

Hier mehr zum Thema Prävention

Tour-News 11/2018

Liebe Mitstreiter*innen,

das Jahr neigt sich dem Ende entgegen und wir können mit Stolz auf das Erreichte zurückblicken und uns auf neue Herausforderungen freuen.
Seit der 1. Mitgliederversammlung im Juni diesen Jahres, in der wir über unsere Aktivitäten und Projekte ausführlich Bericht erstattet haben, hat sich wieder viel bewegt und wir möchten euch einen kleinen Überblick über Aktuelles, Geplantes und Vergangenes geben:

  • Change.org: Das Team der Online-Plattform hat beschlossen, uns zu unterstützen. Markus war Anfang November einige Tage in Berlin und hat sie im Haus der Deutschen Pressekonferenz getroffen. Es wurde ein kleiner Film produziert und unter den Usern verbreitet; nach dem letzten Stand hat dieser ca. 60.000 Menschen erreicht. Unsere Onlinepetition ist jetzt direkt unter dem Link www.change.org/kindesmissbrauch zu finden und innerhalb weniger Wochen von ca. 7.000 Unterstützern auf derzeit 208.650 Unterschriften gewachsen! Change.org hat noch einige Aktionen in Planung, sodass die 1.000.000 Unterschriften keine Utopie mehr sind! Es wird u. a. beizeiten ein Termin mit Frau Barley organisiert!

 

 Zusammen mit den Unterschriften auf Papier haben wir demnach die 230.000 überschritten!

  • Benefizveranstaltung: OB8 – Noten gegen MissbrauchDie Vorbereitungen für den Benefizabend mit Willibert Pauels und Eddi Hüneke am 30.03.2019 sind in vollem Gange. Die Plakate, Handzettel und Eintrittskarten wurden von der Druckerei Brocker aus Kürten kostenlos gedruckt und werden in der nächsten Woche verteilt. Entworfen hat sie ein Künstler, der u. a. das Logo „Jeck im sunnesching“ für den Kölner Karneval entwickelt hat. Eddi Hüneke hat ihn uns vermittelt und auch diese tolle Leistung wird uns nicht in Rechnung gestellt. Das tolle Ergebnis und Einzelheiten zur Veranstaltung könnt ihr dem Plakat OB8 und Flyer OB8 entnehmen. Bitte macht ordentlich Werbung! Der Ticketverkauf ist gestartet. Direktlink zur => Ticketbestellung
  • Selbsthilfegruppe: Meine Selbsthilfegruppe für Betroffene und Angehörige geht im Januar an den Start. Hierzu bin ich mit der Selbsthilfekontaktstelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes vernetzt. Räumlichkeiten hierfür bekommen wir von der evangelischen Kirchengemeinde Kürten kostenlos zur Verfügung gestellt. Einzelheiten hier =>> Flyer Selbsthilfegruppe. Es handelt sich um ein lokales Angebot für Menschen aus dem Rheinisch-Bergischen-Kreis und alle, denen der Weg nicht zu weit ist. Solltet ihr aber Interesse haben, selbst eine Gruppe in eurer Wohnortnähe aufzubauen, dann kann ich euch hierzu gerne Tipps geben => Mail an [email protected] .
  • Schulprojekt Prävention: Ebenfalls im Januar startet unser Schulprojekt„Präventionscoaches“ an der Gesamtschule Kürten, welches sich voraussichtlich über einen Zeitraum von einem Schulhalbjahr erstreckt. Über die Entwicklung hierzu werden wir euch in den nächsten Tour-News berichten können.
  • Was sonst noch so war:19. November 2018: Der Lions Club Arnsberg hat Markus & Picasso zur Vorstellung des Vereins und seiner Ziele zum Dinner eingeladen. Sven hat ihn begleitet. Die örtliche Zeitung berichtete und es wurde Unterstützung in Form einer Spende zugesagt. Wir sind gespannt …

03. November 2018: Heidi Küster, Küsterin der Wipperfürther katholischen Kirchen und unser neues aktives Mitglied, organisierte eine wunderbare und vielseitige Präventionsveranstaltung der Gemeinde St. Nikolaus für Messdiener, Eltern und alle Interessierten. Hier durften auch wir zu Gast sein und konnten wichtige Kontakte zu lokalen Hilfestellen knüpfen.

02. November 2018: Spendenübergabe in Form einer einzigartigen Stele durch Michael Flossbach, Künstler von Nature´s Art und Initiator der Aktion Friedensstein  „Stoning Roll“ . Die Stele nimmt Markus im nächsten Jahr als Publikumsmagnet mit auf Tour.

Oktober 2018: Markus tourte durch Augsburg, Ulm und Friedrichshafen. In Ulm konnten wir ein Treffen mit Herrn Professor Dr. Fegert, dem ärztlichen Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie / Jugendpsychotherapie der Universitätsklinik Ulm, arrangieren. Professor Fegert ist u. a. Mitglied des Fachbeirats des Unabhängigen Beauftragen zu Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Herrn Rörig und hat für den UBSKM die landesweite Studie zum Thema durchgeführt. Als Projektleiter bietet er E-learning-Kurse zur Schutzkonzeptentwicklung, Traumatherapie, Traumapädagogik und zum Thema Kinderschutz an. Er hat uns gebeten, hierfür Werbung zu machen. Den Link zu seinen Kursen und die Beschreibung dazu findet ihr hier =>> elearning-kinderschutz  und im ECQAT_Flyer. Er hat uns nach dem Treffen mit Markus sein handsigniertes Fachbuch „Schutz vor sexueller Gewalt und Übergriffen in Institutionen“ zukommen lassen.

28. September 2018: Markus und Michaela reisten zur Demo nach Freiburg; gemeinsam mit den Leuten der Initiative „Aktiv gegen sexuellen Missbrauch“ zogen sie durch die Freiburger Innenstadt und formulierten wichtige Ziele. Der Initiator Benjamin Ottstadt ist Lehrer an einem Gymnasium in Freiburg. Wir werden voraussichtlich fusionieren und die Initiative in den Tour41 e.V. aufnehmen.

14./15. September 2018: Markus, Michaela und ich reisten nach Berlin zum Kongress MitSprache des Betroffenenrates. Das war ein sehr eindrucksvolles, aber auch anstrengendes Wochenende mit vielen neuen, guten Kontakten und Erkenntnissen. Wir haben an verschiedenen Workshops teilgenommen und konnten kurz mit Herrn Rörig und einigen Mitgliedern des Betroffenenrates sprechen. Eine Demo vor dem Reichstag bildete den Abschluss dieser Veranstaltung. Die Schilderung der Einzelheiten würde den Rahmen dieses Newsletters sprengen. Infos und Bilder hierzu findet ihr aber auch auf unserer Homepage in diesem Beitrag => MitSprache statt Schweigen und auf facebook.

Und noch mehr gab es im September: Markus & Picasso waren zu Gast beim Dog Run in Neuss und in Schwerin. In Schwerin hat die SVZ einen sehr guten Videobeitrag mit ihm produziert; zu finden hier

=>> Video Schweriner Volkszeitung 17.09.2018

Markus traf Eddi Hüneke in dessen Zuhause.

Im Juli und August: Markus war zu Gast in Paderborn und auf dem Pax Terra Musica Friedensfestival in Berlin. Dort habe ich ihn dann besucht und ein wenig unterstützt. Hier trafen wir Maren Herz, die als Singer- Songwriterin „Morgaine“ aus Österreich auf dem Festival Musik machte. Sie bot uns für den Benefizabend ihre Unterstützung an.  Schaut einmal auf YouTube, wenn ihr neugierig seid.

Morgaine: vorne links

  • Kontakte in lokale Fachkreise konnten wir beim AK sexuelle Gewalt des RBK knüpfen, wo wir unsere Ziele und Projekte vorstellen durften. Markus, Michaela und ich waren dort zur Präsentation unserer Ziele. Initiiert wird dieser Arbeitskreis durch den Kinderschutzbund. Teilnehmer sind Fachkräfte aus Kinderschutzbund des Rheinisch-Bergischen-Kreises, Jugendämtern, Fach- und Beratungsstellen und die Polizei. Diese Kontakte sind u. a. für unser Schulprojekt sehr wichtig.
  • #JaIchBin ist zu einer wichtigen Möglichkeit für Betroffene geworden, ihr Schweigen zu brechen. Die Grundidee stammt von Neli Heiliger, unserer sehr aktiven Mitstreiterin aus Karlsruhe. Michaela koordiniert dieses Projekt. Mittlerweile senden uns immer mehr Betroffene ein Kinderbild von sich mit einem prägenden Satz, der sie begleitet hat oder immer noch begleitet. Infos hierzu findet ihr auf Facebook und in den wöchentlichen Beiträgen auf unserer Homepage. Bei Interesse an dieser Aktion wendet euch bitte an [email protected].

  • Zwischenzeitlich sind wir auch einmal zwischen die Fronten einer linksradikalen und rechtsradikalen Auseinandersetzung geraten. Das Thema Kindesmissbrauch wird leider häufig für politische Zwecke instrumentalisiert und man beschuldigte uns, ein rechtsradikaler Verein zu sein, weil auf einem Foto Menschen zu sehen waren, die dieser Szene angehören. Um es kurz zu machen; wir konnten die Situation entschärfen, nahmen diese Erfahrung aber zum Anlass, das neue Formular Tipps und Hinweise für Unterschriftensammler zu entwerfen.
  • Hinweis zum Abo unserer Beiträge auf der Homepage: Ihr könnt am Ende eines jeden Beitrags unter den Kommentaren unsere neuen Beiträge mit diesem Klick abonnieren!
    In einem beliebigen Beitrag ganz nach unten scrollen und Häkchen setzen (befinden sich am rechten Rand auf jeder Seite unserer Homepage – etwas nach unten scrollen).

  • Ab jetzt könnt ihr unter schulengel.de fleißig Spenden sammeln und das ganz einfach bei euren Online-Einkäufen: Einrichtung Tour41 e.V. auswählen, Shop auswählen und (auch ohne Registrierung) shoppen für euren guten Zweck.

Viking, Otto, Saturn, Tchibo, Amazon…. Es kostet den Käufer nicht mehr!

So, das war das Wichtigste in Kürze. Natürlich gab es nebenher noch unzählige Arbeits- und Planungstreffen, Gespräche mit Interessierten, Betroffenen uvm. Die Homepage und unsere Facebookseite werden fortlaufend aktualisiert und auf den neuesten Stand gebracht. Auf Facebook könnt ihr euch über Aktuelles ganz gut auf dem Laufenden halten. Auf der Homepage findet ihr eher allgemeine wichtige Informationen zu verschiedenen Themenbereichen und in der rechten Spalte aktuelle Beiträge nach Monaten sortiert. Die Homepage haben wir in den letzten Wochen umfassend angepasst und erweitert und werden das auch weiter tun. Schaut mal rein …

Mitgliederzahl aktuell: 62, Tendenz steigend

Der jährliche Mitgliedsbeitrag von 12 € wird am 15.01.2019 eingezogen.

Wenn ihr Fragen oder Anregungen habt, Hilfe benötigt oder etwas unklar ist, könnt ihr euch gerne melden. Am besten per E-Mail an:

[email protected]; [email protected] oder [email protected] .

Die Tour-News erhaltet ihr in Zukunft 2 x jährlich. Ihr werdet sie demnächst auch auf unserer Homepage finden.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Engagierten für ihren Einsatz und wünschen euch frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr 2019.

Eure Steffi & das Tour41-Vorstands-Team mit Markus & Picasso, Michaela und Phil

MitSprache statt Schweigen – Wir waren dabei

Am 14. und 15. September hatten wir uns auf den Weg gemacht:
Zum Kongress #MitSprache des #Betroffenenrates nach Berlin –
gespannt was uns erwarten würde.

An beiden Tagen waren sowohl der #UBSKM Herr Rörig als auch die Mitglieder der #Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs anwesend. Unsere Familienministerin Frau Giffey hielt eine starke Rede – nicht das Gerede um den heißen Brei, dass man von den meisten Politikern gewohnt ist – sondern impulsiv und überraschend direkt auf den Punkt gebracht. Sie versprach, sich für Veränderungen stark zu machen, betonte aber überraschend ehrlich, dass die Politik ja leider nicht so schnell sei. Sie würde sich aber beharrlich für unser Thema stark machen und nicht aufgeben. Ihr Ausspruch: Penetranz schafft Akzeptanz! Als ehemalige Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln spricht sie wunderbar offen und erfrischend direkt. Ingo Fock, Gründer des Vereins  #gegen-missbrauch e.V., der gemeinsam mit Kerstin Claus den Workshop zum OEG (Opferentschädigungsgesetz) und EHS (Ergänzendes Hilfesystem; Fonds sexueller Missbrauch) leitete, überreichte Frau Giffey eine Liste mit  Reformforderungen, die zuvor mit den Workshop-Teilnehmern erarbeitet wurden.

Neben dem Workshop zu OEG und EHS konnten wir uns außerdem zu den Themen  Schutzkonzepte, Aktivismus und psychosoziale Prozessbegleitung einbringen. Beeindruckend und zugleich erschütternd waren auch die Ausführungen der internationalen Gäste  aus 12 Ländern. Hier wurde das globale Ausmaß der sexuellen Ausbeutung von Kindern bewusst.

Zum Abschluss zogen wir gemeinsam zum Reichstag – mit den Plakaten bewaffnet, die im Aktivismus-Workshop hergestellt wurden . Wir bildeten einen Kreis und hielten eine Minute inne – eine Schweigeminute zum Gedenken an die, die nicht überlebt haben. Ela und ich gedachten unseres Bruders

Heute können wir sagen: Danke, dass wir dabei sein durften! Dieses Wochenende war so intensiv, emotional, informativ, bewegend und beeindruckend, dass es in uns noch jetzt nachwirkt und bestimmt noch lange nachwirken wird.

In diesem Maße erlebbar wurde die Veranstaltung durch die Beteiligung der vielen Betroffenen (250), Betroffeneninitiativen und Vereine – nationale und internationale. Wir konnten gute Gespräche führen (auch kurz mit Herrn Rörig), an Workshops teilnehmen, Kontakte knüpfen, unsere Erfahrungen und Einschätzungen einbringen, selbst neue Erfahrungen machen, andere Perspektiven und viele großartige Menschen kennenlernen und erleben.

Die meisten dieser Menschen – auch der Betroffenenrat – arbeiten wie wir auf ehrenamtlicher Basis. Sie setzen ihre ganze Kraft, Energie und Freizeit ein, um etwas zu bewegen, Missstände zu beseitigen, Veränderungen anzustoßen. Ein Thema war Vernetzung:

Gemeinsam sind wir stärker – weil wir so viele sind – auch DU kannst etwas tun! Nur ein kleiner Teil dessen, was getan werden muss → Verjährungsfrist abschaffen !

Berlin wir kommen wieder …

Herzlichst
Eure Steffi

Post vom Justizministerium NRW

 

Viele sehen die  Arbeit des  Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs und des Betroffenenrates kritisch und sind der Meinung, es wird nicht genug getan.

Nachdem wir uns nun seit einiger Zeit vertieft damit auseinandergesetzt haben, haben wir den Eindruck gewinnen können, dass momentan sehr wohl sehr viel bewegt wird. Die Reformbedürftigkeit des Hilfesystems, die viel zu hohen Standards der Strafgerichtsbarkeit, die mangelnde Sensibilisierung von Fachkräften und viele andere Hürden für Betroffene werden offen gelegt, in Pressemitteilungen klar artikuliert und immer wieder wird an die Verantwortlichen in der Politik appelliert, endlich aktiv zu werden.

Man hat sich auf den Weg gemacht, Prävention und Intervention in Einrichtungen und Institutionen zu installieren.  Auch Schulen sind mit der Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“ mittlerweile angehalten, ein Schutzkonzept zu entwickeln.

Das Problem ist nicht der UBSKM und der Betroffenenrat. Das Problem sind die Volksverteter, die lieber wertvolle Zeit mit Machtspielchen verstreichen lassen, als endlich die Ärmel hochzukrempeln und die von ihnen selbst eingesetzten Gremien vollumfänglich zu unterstützen.

Alles in Allem ist aber dennoch ein gewaltiger „Stein ins Rollen gekommen“ und diesen gilt es am Rollen zu halten, bis eine zufriedenstellende Lösung beschlossen ist.

Daher sollten wir alles daran setzen, nicht leiser zu werden und die Gremien in ihrer Arbeit zu unterstützen.

Weil wir so viele sind …..

….. helfen wir uns gegenseitig 🙂

In diesem Sinne
Steffi & das Tour41-Team

„Ne bergische Jung“ trifft Tour41 – Willibert Pauels ist unser 1. Ehrenmitglied

Feste feiern und das Thema Kindesmissbrauch – das passt doch nicht zusammen – oder etwa doch? Und wie sieht es aus mit Kirche und Karneval? Nicht selten erhalten wir eine Absage, wenn wir für unser Infomobil einen Standplatz auf einem Festgelände wie etwa beim Schützenfest in Wipperfeld oder anderswo anfragen. Immer wieder bekommt Markus diese Aussage zu hören: „Das passt doch nicht hierher!“

Für einen, der auszog die Menschen zum Lachen zu bringen, war das keine Frage. Er brauchte keine Sekunde um zu entscheiden, ob das Thema passt und sagte sofort seine Unterstützung zu – Willibert Pauels, auch bekannt als „Ne bergische Jung„! Spontan hat er uns eine Benefizvorstellung für das nächste Frühjahr vorgeschlagen.

Seine Motivation dazu beschreibt er so:

„Wenn mich jemand fragt: „Willibert, warum bist du ein gläubiger Mensch?“, dann antworte ich : Meine tiefste Sehnsucht geht dahin, daß es wahr ist, was dieser Rabbi aus Nazareth lehrte: „Du Mensch hast eine Seele, und Deine Seele ist kostbarer als das ganze Universum.“ -Deshalb ist es für mich ein Anliegen alles dafür zu tun, die verletzten Seelen der Kinder zu heilen und alles dafür zu tun in Aufklärung und Präventionsarbeit die Seelen der Kinder zu schützen. Deshalb bin ich dabei-aus ganzem Herzen!“

Bittet man ihn um ein Autogramm, dann schreibt er „Seid froh!“ und genau das sind wir. Wir sind froh, dass du an Bord bist und es ist uns eine Ehre, dich als Ehrenmitglied gewonnen zu haben, lieber Willibert. Du hast es geschafft, Kirche und Karneval zusammenzubringen. Nun gilt es ein weiteres Tabu zu brechen: Gemeinsam gegen sexuellen Kindesmissbrauch!

Herzlichst
Steffi & das Tour41-Team

Warum die Tour so wichtig ist

Erst im Jahr 2010, als die große Enthüllungswelle über Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch in der Institution Kirche und vielen anderen öffentlichen Einrichtungen an die Oberfläche der Berichterstattung gespült wurde, schuf man das Amt des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung. Der Fond sexueller Missbrauch wurde gegründet und an vielen runden Tischen über mögliche Hilfen für Opfer beraten. 8 Jahre später sind wir nur ein kleines Stück weiter gekommen. Die bürokratischen Hürden für Opfer sind immer noch viel zu hoch, das Schweigen zum Tabuthema immer noch in der Gesellschaft weit verbreitet.

Das sexueller Kindesmissbrauch aber nach wie vor erschreckend häufig und quer durch alle Gesellschaftsschichten stattfindet, glauben und wissen die wenigsten. Viele denken es handle sich um eine seltene Randerscheinung, weit weg vom eigenen Umfeld.

Dennoch, ein Anfang ist gemacht. In vielen öffentlichen Einrichtungen und Institutionen der Kirche hat man verplichtend Strategien zur Prävention und Handlungsempfehlungen zum Krisenmanagement entwickelt. Schulen sind dazu angehalten, Risikoanalysen druchzuführen und ein Schutzkonzept zu entwickeln.

Schutz, Prävention und Hilfe, Intervention im Ernstfall, können nur gelingen, wenn wir endlich aufwachen und eine breite Masse der Gesellschaft sensibilisiert wird. Hinschauen, Verantwortung übernehmen, wohl überlegtes und kompetentes Handeln ist gefragt.

Der Missbrauch im eigentlich geschützten Rahmen von Familie und sozialem Umfeld führt leider die Statistik an. Hier sind die Kinder erst recht hoffnungslos und schutzlos ausgeliefert und zum Schweigen verdammt.

Unser Rechtssystem kann oft nicht greifen – denn wo kein Kläger und keine Beweise, da kein Richter.

Unsere Waffe ist die Information. Information, Aufklärung, Sensibilisierung und Empathie können erheblich dazu beitragen, das Thema zu enttabuisieren. Täterstrategien begreifen, Psychodynamiken der Opfer verstehen. Kindern schon in Kindergarten und Schule altersgerecht vermitteln, was Grenzverletzungen sind und wie man damit umgehen kann. Hilfestellung und Beratung bei Unsicherheiten anbieten. Sind diese Voraussetzungen geschaffen, fällt es Opfern vielleicht ein wenig leichter, ihr Schweigen zu brechen.
Das ist unsere Hoffnung und darum ist die Tour so wichtig.

Mein Bruder hat nach 20 Jahren sein Schweigen gebrochen. 2007 war Kindesmissbrauch noch nicht im Fokus der Öffentlichkeit. Die Welle der Enthüllungen begann erst 2010. Manchmal frage ich mich: Wenn wir damals auf dem Wissensstand von heute gewesen wären; wenn er sich nicht so verdammt allein vorgekommen wäre und von vielen anderen Betroffenen gewusst hätte, hätte er sich dann helfen lassen? Wenn er in der Schule etwas über persönliche Grenzen gelernt hätte, über Kinderrechte und die Grenzen, die Erwachsene einhalten müssen; hätte er dann als Kind trotzdem geschwiegen? Leider hat er uns nur 6 Wochen Zeit gegeben, nachdem er uns vom Missbrauch in der Pfadfindergruppe berichtet hatte. Wir fanden keine adäquate Hilfe. Seine Seele war zu schwer verletzt und er hat sich am 11.08.2007 entschieden, diese Welt zu verlassen. Ich habe noch so viele Fragen … Aber ich glaube, er weist uns jetzt den Weg …

Geht den Weg mit uns – es geht uns ALLE an!

Eure Steffi

Stimmt für unseren Verein – lasst Kinder und Betroffene nicht allein

An alle Mitglieder der Volksbank Berg eG! Stimmt bitte bis zum 31. März 2018 fleißig für unser Projekt Tour41 e.V.; entweder hier per Internet Abstimmung Vereinswettbewerb oder am Kundenschalter der Bank ab! Jedes Mitglied hat eine Stimme.

Mit eurer Stimme für Tour41 gebt ihr Kindern eine Stimme gegen sexuellen Missbrauch und für eine Änderung der Gesetze, welche unsere Kinder eigentlich schützen sollten! Bitte teilen und für Tour41 e.V. abstimmen:

Auch Du kannst etwas tun – es geht uns ALLE an ‼️
Die Zahl 41 steht für TÄGLICH angezeigte Fälle von Kindesmissbrauch in Deutschland;
die Dunkelziffer liegt bis zu 20 x höher !!

Danke für euer Interesse an unserer ausschließlich ehrenamtlichen Arbeit!

Die ausführliche Beschreibung unseres Projektes findet ihr unter:
Volksbank Berg eG – Wer hat sich beworben?
(Tour41 e.V. steht an 9. Stelle von oben)

Auch wenn ihr nicht Mitglied der Volksbank Berg eG seid, freuen wir uns über jegliche Unterstützung durch:
Sammlung von Unterschriften
Eure Mitgliedschaft (1 EUR mtl. als Jahresbeitrag)
Eure regelmäßige Spende per Lastschrift
Eure Spende per Überweisung oder Dauerauftrag

Wir versenden  sämtliche Unterlagen auch gerne per Post!
Bitte E-Mail an => [email protected]
Wollt ihr im Freundes-, Familien- und Bekanntenkreis mitsammeln?
Wir versenden auch größere Stückzahlen!

Die Asche meines Bruders – darum bin ich dabei

Die Asche meines Bruders – Die verborgene zerstörte Seele

           

Es ist Donnerstag, der 30. August 2007. Meine Hände zittern und ich habe
einen Kloss im Hals. Ich nehme mich zusammen und lasse meine Tränen nicht zu. Nur ein kleiner trockener Schluchzer lässt sich nicht verhindern.

Vorsichtig hebe ich mit meiner Schwester die Urne mit der Asche meines Bruders vom Sockel. Mit unseren Kindern haben wir sie vor ein paar Tagen gebastelt. Aus Pappmaschee; mit Hilfe von zwei Blumentöpfen. Hübsch angemalt und mit all unseren Handabdrücken versehen. Im Friedwald darf nur Vergängliches in die Erde. Asche zu Asche eben. Zusammen lassen wir sie in die Öffnung im Boden gleiten. Es ist ein schlimmes Gefühl, das Gefäß ist schwer. Dennoch nicht schwer genug um sich vorzustellen, dass das einmal unser Markus war.

Der liebe, empathische, breitschultrige, schlanke, 1,80 m große, gutaussehende Bruder, den wir in den letzten Wochen vergeblich versucht hatten zu retten. Wie konnte das bloß alles passieren? Warum haben wir nichts bemerkt? Warum hat er nichts erzählt? Uns um Hilfe gebeten? Haben wir das Richtige getan? Was hätten wir anders, besser machen können?  Viele Fragen, die uns bis heute und wahrscheinlich für den Rest unseres Lebens durch den Kopf gehen werden.

Aus heutiger Sicht kann man sagen; wir wussten es nicht besser. Wie denn auch? Es gab keinerlei Berührungspunkte zum Thema sexueller Kindesmissbrauch. Man las ab und zu mal etwas in der Zeitung. Aber das war irgendwie weit weg. Relativ selten. Betraf uns nicht persönlich. Dachten wir! Die Enthüllungswelle über die vielen Fälle in Kirche, Heimen, Schulen usw. brach erst kurz nach dem Tod unseres Bruders über das Land.

Was war passiert?

Am 01. Juli 2007 feierten wir den 1. Geburtstag meines Neffen. Wie immer kam die ganze Familie zusammen. Nach einer Weile wunderten wir uns, dass Markus noch nicht da war. Er kam immer. Auf ihn war verlass. Na gut; in letzter Zeit hatte er sich ziemlich zurückgezogen. War sehr ruhig. Blieb nicht sonderlich lange. Ging nicht mehr ohne seine Kappe aus dem Haus; tief ins Gesicht gezogen.

Wir erklärten uns dieses Verhalten mit der Tatsache, dass er  vor einiger Zeit seine Arbeitsstelle verloren hatte, weil die Firma Insolvenz anmelden musste. Er hatte nach der Fachoberschulreife eine Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker gemacht, danach 5 Jahre als Endprüfer von Stromschienensystemen gearbeitet.

Er verfiel in Niedergeschlagenheit, Depressionen. Die Vorstellung beim Arbeitsamt, die Maßnahme als 1-€-Jobber arbeiten zu müssen. Alles fiel ihm täglich schwerer. Er entwickelte langsam eine soziale Phobie. Konnte uns nur noch schwer in die Augen schauen. Versuchte sich bei einigen Firmen als Zeitarbeiter. Kam nicht mehr mit den Kollegen, mit Menschen allgemein klar.

Mit guten Ratschlägen hielten wir nicht hinterm Berg. Wir verstanden sein Verhalten nicht (zu unserer Verteidigung ist zu sagen: Damals war auch das Thema „Depression“ und „Burn out“ noch nicht im Focus der Öffentlichkeit). Wir versuchten ihn zu beschäftigen. Baten ihn um Mithilfe beim Renovieren, beim Hüten der Kinder, usw. Wollten ihn aus der Isolation holen.

Bis sich dann in der Nacht vom 01. Juli 2007 zum 02. Juli 2007 alles zuspitzte und er uns eine fast unerträgliche Wahrheit offenbarte, die niemand auch nur im Entferntesten hätte erahnen können.

Markus war zum ersten Mal nicht zum Geburtstag meines Neffen erschienen. Wir machten uns Sorgen und riefen ihn an. Er war verzweifelt; weinte. Wir fuhren zu ihm – meine Mutter, meine Schwester und ich. Unter größten Schwierigkeiten, er war von Scham- und Schuldgefühlen zerfressen, berichtete er uns über den schweren Missbrauch in seiner Kindheit. Vom 9. bs 11. Lebensjahr besuchte er eine Pfadfindergruppe. In dieser Gruppe gab es 5 Gruppenleiter. 4 davon waren Täter. Es gab mehrere Kinder, um die sie sich „in besonderem Maße kümmerten“.  Sie wurden übrigens nie zur Rechenschaft gezogen. 2007 betrug die Verjährungsfrist 10 Jahre nach dem 18. Geburtstag. Mein Bruder war gerade 29 Jahre alt geworden. Leider wissen wir, dass „sein“ Täter immer noch aktiv ist.

Nur wer sich mit der Thematik beschäftigt; die perfiden Strategien der Täter hinterfragt und sich über die schwerst belastenden und traumatisierenden Erfahrungen der Opfer, oder wie sie sich zu Recht nennen, der Überlebenden, informiert, kann im Entferntesten erahnen, was dieses Erlebnis für ein Kind und seine Entwicklung bedeutet. Niemand, der das nicht versteht, sollte über Täter urteilen dürfen, über die Zukunft und Schicksale von Kindern entscheiden und über dieses Thema berichten und öffentlich diskutieren dürfen!

Der „nette“ und überflüssige Kommentar (natürlich anonym) im Trauerportal meines Bruders:

„*********R.I.P. *********** Kann nicht begreifen, dass diese schlimme Tat von niemanden bei einem 9 jährigen Jungen bemerkt wurde!“

Tja vielen Dank auch! Das konnten wir selbst lange nicht begreifen. Aber genau das ist das Thema. Täter haben Strategien – Kinder haben Scham- Schuldgefühle und Angst. Sie verstehen nicht, was da eigentlich mit ihnen passiert und sind erst recht nicht in der Lage, Hilfe zu holen. Sie werden durch vielfältige Methoden zum Schweigen gebracht: „Wenn du etwas sagst, bringe ich deine Eltern um!“ Oder: „Du hast etwas Böses gemacht, wenn das jemand erfährt, holt dich die Polizei!“ Oder: „Du hast dich doch nicht gewehrt, also hat es dir doch auch gefallen; du willst doch nicht, dass das deine Eltern erfahren?“

Aber auch wenn sie nicht offen bedroht werden, ist die traumatische Erfahrung zu schlimm. Sie können das Geschehen nur ertragen, indem sie sich „abspalten“. Sich im schlimmen Moment des Erlebens „wegdenken“, danach das Erlebte in sich verschließen und nach außen hin ein scheinbar normales Leben leben. Leider passiert es nicht selten, dass dieses verschlossene Trauma unentdeckt bleibt, wie eine tickende Zeitbombe im Innern wohnt und sich irgendwann im Erwachsenenleben seine Bahn bricht.

Für unseren Markus war es leider zu spät. Alles Bemühen um Hilfe war vergebens. Er hatte sich längst entschieden zu gehen.

Heute wissen wir:

Nicht wir sind schuld, weil wir es nicht bemerkt haben.
Nicht Markus ist schuld, weil er nichts gesagt hat.
Der einzig Schuldige ist der TÄTER!
Und alle, die die Wahrheit verdrehen; die Opfer wie Täter behandeln, nicht ernst nehmen, verstoßen und an den Rand der Gesellschaft drängen, verharmlosen und die Täter schützen, machen sich mitschuldig!

Information – Intervention – Prävention!

ES  GEHT  UNS  ALLE  AN !

Ich kann nicht länger schweigen und nichts tun – darum bin ich dabei und habe mich Markus Diegmann und seiner Tour41 angeschlossen!

Steffi Lachmann