Ein Name, zwei Leben und das Leid der Angehörigen

 

In der Nacht vom 1. auf den 2. Juli 2007 erzählte uns unser Bruder, der auch Markus hieß, dass er vom 9. bis 11. Lebensjahr durch den Leiter seiner Pfadfindergruppe sexuell missbraucht wurde. Genau 41 Tage später – am 11.08.2007 – nahm er sich das Leben.

Am 1. Juli 2017 hörten wir auf Radio Berg einen Beitrag über deine Initiative und deinen Standort auf dem Hansefest in Wipperfürth.
Am 02. Juli 2017 fuhren wir zu dritt – Mutter und 2 Schwestern – nach Wipperfürth und konnten uns lange mit deinem Bruder unterhalten. Genau wie in deinem Fall kennen wir den Täter; wissen, dass er heute noch aktiv ist; kennen seinen Wohnort – und können doch nichts tun.

Dein Engagement gibt uns nun das Gefühl, doch etwas bewirken zu können. Wir möchten Dich gerne unterstützen und haben im Bergischen Handelsblatt und im Kölner Stadtanzeiger (Rheinisch Bergischer Kreis) die angefügte Traueranzeige veröffentlicht, die man auch unter folgendem Link im Trauerportal online aufrufen kann:

Zur Traueranzeige geht’s hier

Gerne kannst du diese Mail, die Anzeige und den Link weiterleiten, veröffentlichen, posten oder anderweitig für diene Zwecke nutzen. Auch wir werden alles daran setzen, so viele Menschen wie möglich damit zu erreichen und sie für das Thema und eine Unterschrift zu gewinnen.

Wir hoffen, in deinem Interesse gehandelt zu haben. Wir sind beeindruckt von deinem Mut und deiner Offenheit und würden uns freuen, von dir ein Feedback zu bekommen.

Weiterhin viel Kraft auf deinem Weg und liebe Grüße aus Kürten

Steffi & Ela

Liebe Steffi, liebe Ela,

ich bin tief berührt über Euer Engagement und der Idee zu der Traueranzeige. Der Verlust und das Leid, welches Euch und Eurem Bruder wiederfahren ist, ist mit Worten kaum zu umschreiben. Ich weiß um den Kampf, den Markus geführt hat sich das Leben zu nehmen. Durch zwei eigene Suizidversuche kann ich es gut nachempfinden. Diesen Kampf führen viele Betroffene und das nicht so selten, ich auch. Es gibt keine Pille zum Vergessen, der tägliche Kampf nicht im Überlebensmodus zu verharren und die Bilder fernhalten ist Dauerstress und ein Fulltime-Job. Sie sind immer da!

Ich lebe nun seit 10 Monaten im Wohnmobil, auf der Flucht vor Stillstand. Ich lebe 24 Stunden, sieben Tage die Woche mit meiner eigenen Biographie und der vieler Betroffener, es ist anstrengend und oft erschütternd, aber es gibt unglaublich viel Kraft und die Anerkennung, das Richtige zu tun. Auf der Reise nach nun mehr als 20.000 km und unzähligen Städten habe ich so viele Opfer und Überlebende getroffen. Wir alle haben diesen einen „Roten Faden“ im Leben. Er bringt uns regelmäßig an unsere Grenzen. Bei Entscheidungen nehmen wir selbstredend die Variante, die am schmerzhaftesten ist. Mir ist die Anzeige sehr ans Herz gegangen, weil ich es hätte sein können.

Die Klara Feldhoff Häuser

Das Ziel der Tour41 ist langfristig der Aufbau von Akuthilfehäusern, Akuthilfe zum Nulltarif für Betroffene. Dazu haben meine Familie und ich den Verein Tour41 e.V. gegründet. Zur Zeit warten wir auf das Amtsgericht Wipperführth, auf die Registrierung und Eintragung. Wir möchten für Betroffene eine kostenfreie Akuthilfe aufbauen, in denen Menschen in Not und in schwerer Lebenssituation direkt aufgefangen und unterstützt werden können.

Eine erfolgreiche Traumatherapie setzt Zeit für die Stabilisierung des Betroffenen voraus. Jemanden, der Hilfestellung leistet und stützt, und das zeitnah.

Die Unsichtbaren

Es fehlt an Direkthilfe in ganz Deutschland; weil sexuell missbrauchte Kinder, Opfer, Betroffene und Überlebende, für das Gesetz und die Gesellschaft unsichtbar und nicht existent sind. Das möchten wir ändern!

Ihr und Euer geliebter Bruder Markus setzt gerade ein Zeichen gegen sexuellen Kindesmissbrauch. Ich kann Euch gar nicht genug dafür danken. Menschen wie Ihr geben mir die Kraft, diese Tour durchzuhalten und mein Ziel, sexuellen Kindesmissbrauch zum Thema im ganzen Land zu machen.
Wir müssen das Schweigen brechen!

Herzlichen Dank und viel Kraft
Picasso & Markus

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