Steffi Lachmann

Ehrenamtlich   

Mitgründerin und 2. Vorsitzende des Tour41 e.V.
Primär zuständig für die Bereiche Prävention, Schutzkonzepte und Selbsthilfearbeit

Hauptberuflich

Mitarbeiterin der Verwaltung in einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung, Ausbildungsberuf: Justizfachangestellte

Nebenberuflich

Fernstudium Soziale Arbeit an der Internationalen Universität Bad Honnef

Fortbildungen im Themenfeld sexuelle Gewalt

  • Uniklinik Ulm
    2019 Zertifikat „Schutzkonzepte in Organisationen – Schutzprozesse partizipativ und achtsam gestalten“ 
  • Prävention sexueller Gewalt 2018
  • Prävention sexueller Gewalt 2013

Meine Motivation

Als sich mein Bruder im Jahr 2007 das Leben nahm, veränderte sich unser Leben schlagartig. Unsere schöne heile Welt mit all den alltäglichen kleinen Problemen und Anforderungen brach in sich zusammen und es offenbarte sich ein Geheimnis, über das mein Bruder viele Jahre geschweigen hatte. 

Sechs Wochen vor seinem Suizid hatte er uns den sexuellen Missbrauch durch den Leiter seiner Pfadfindergruppe anvertraut. Diese Gruppe besuchte er vom 9. – 11. Lebensjahr. Verzweifelte 6 Wochen der Hilfesuche folgten. Leider zu spät; denn er hatte sich längst entschieden seinem seelischen Leiden ein Ende zu setzen.

In der Folgezeit versuchten wir Antworten auf viele Fragen zu finden:
Wieso hat er nicht früher etwas gesagt?
Wieso haben wir nichts bemerkt?
Warum ist er weiter in diese Pfadfindergruppe gegangen, nachdem der erste Übergriff geschehen war?

Heute habe ich die Antworten!
Tatdynamiken, Täterstrategien und kindliche Schutzfaktoren sowie Schuldgefühle, Scham und Angst verhindern allzu oft die Offenlegung von (sexuellen) Gewalterfahrungen. Immer und immer wieder und leider immer noch. 

Nur in einer informierten und aufgeklärten Gesellschaft, in der (sexuelle) Gewalt kein Tabuthema mehr ist, können wir dem entgegenwirken; denn Wissen hilft schützen!

Ich frage mich heute:
Was hätte mein Bruder gebraucht, um den Mut zu fassen sich anzuvertrauen?
Zu wissen, dass er nicht allein ist?
Zu wissen, dass ihm geglaubt wird?
Zu wissen, dass er nicht schuld ist?
Zu wissen, dass es Hilfe gibt?

Heute, nachdem ich mich 12 Jahre mit dem Thema sexuelle Gewalt beschäftigt habe, habe ich die Antworten!

Das ist meine Motivation: Alles dafür zu geben, anderen die Erfahrungen, die wir als Familie machen mussten, zu ersparen. Zu sensibilisieren, zu informieren, Wege aufzuzeigen!

Denn obwohl wir mittlerweile wissen, dass sexuelle Gewalt ein Grundrisiko einer Kindheit in Deutschland ist (Zitat UBSKM), ist es in weiten Teilen der Gesellschaft immer noch ein TABU!

Wir sind ALLE gefragt, DAS zu ändern. Es geht uns ALLE an! 

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