Die Tour

Zwischen Mut und Ohnmacht – zwei Familien, eine Wahrheit

Wie sexualisierte Gewalt Familien prägt, Täter systematisch vorbereiten – und warum Zuhören oft an Grenzen stößt

Dieser Beitrag thematisiert sexualisierte Gewalt an Kindern, Missbrauch in nahen sozialen Strukturen, Suizid sowie die psychischen Folgen für Betroffene und Angehörige. Bitte achte gut auf dich beim Lesen und Anschauen.

In der Sendung deep und deutlich sprechen Lena Jensen und ihre Mutter Bettina über etwas, das vielen Familien vertraut ist – und doch oft unsagbar bleibt: sexueller Missbrauch in der Kindheit. Die Täter standen der Familie nahe. Bis heute dürfen ihre Namen nicht genannt werden. Das Schweigen ist kein freiwilliges, sondern eines, das durch juristische Grenzen erzwungen wird. Diese Grenzen schützen selten die Betroffenen. Sie schützen Strukturen. Und sie zwingen Familien dazu, Unvorstellbares auszuhalten. Täter und Täterinnen genießen ihr Leben in Freiheit und missbrauchen nicht selten ungestraft weiter.

Unsere Familie kennt dieses Aushalten.

Unser Bruder wurde im Alter von neun bis elf Jahren in einer Pfadfindergruppe sexuell missbraucht. Von Menschen, denen vertraut wurde. Menschen aus dem direkten Umfeld. Wie so viele Betroffene trug er das Erlebte lange allein. 2007 nahm er sich das Leben.

2017 gründeten wir den Tour41 e.V. – auch aus der Erfahrung heraus, wie viel Kraft es kostet, hinzuschauen. Und wie notwendig es ist, Räume zu schaffen, in denen diese Geschichten ausgehalten werden dürfen. Ohne sofortige Lösungen. Ohne Relativierung. Ohne Abwehr.

Weil Aufklärung, Prävention und Zuhören Leben retten können.

Auch die Geschichte von Lena Jensen und ihrer Familie zeigt:
Missbrauch passiert nicht irgendwo weit weg. Er passiert in Familien, Vereinen, Gruppen, mitten unter uns.

Was danach bleibt, ist nicht nur Trauer.
Es ist der Schmerz über die Folgen und es ist der Schmerz festzustellen, wie begrenzt das gesellschaftlich und juristisch Mögliche ist. Wie schnell Gespräche enden, weil sie „zu viel“ werden. Wie oft Betroffene und Angehörige erleben, dass ihr Mut zu sprechen an den Belastungsgrenzen anderer scheitert.

Viele Menschen – auch im Helfersystem – halten diese Geschichten kaum aus.
Viele wenden sich ab – oft aus Überforderung.

Dass Betroffene und ihre Angehörigen ihre Täter nicht benennen dürfen, ist eine zusätzliche Belastung. Es verstärkt das Gefühl von Ohnmacht – und lässt Täter anonym, während Betroffene sichtbar bleiben. Umso wichtiger ist es, über Strukturen zu sprechen. Über Verantwortung. Über Schutzräume.

Sexueller Missbrauch geschieht selten durch Fremde. Täter nutzen Nähe, Vertrauen und bestehende Beziehungen. Sie bauen Abhängigkeiten auf, schaffen Schuldgefühle, verdrehen Verantwortung und die Wahrnehmungen des Umfelds. Sie isolieren ihre Opfer – nicht durch Gewalt allein, sondern durch Manipulation. Durch Sätze wie: „Du zerstörst alles, wenn du redest.“ Oder: „Dir glaubt sowieso niemand.“

Unsere Geschichten stehen nicht allein. Sie stehen für viele.
Und sie erinnern uns daran, warum Hinschauen so wichtig ist und dass wir etwas bewirken können:

Wenn wir zuhören.
Wenn wir sprechen.
Wenn wir handeln.

Wir – Tour41 e.V., Lena Jensen und Ihre Mama Bettina stehen für genau das. 💚

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