Der „Rote Faden“

Da denke ich, dass es nicht tiefer gehen kann und ich schon hart gelandet bin, denkste! Schlimmer geht wohl immer. Am 23. Dezember 2016 kam Post von der Krankenkasse. Sehr geehrter Herr Diegmann. „Ab dem 1. Januar hat der Rententräger Ihre Rente auslaufen lassen“

Fröhliche Weihnachten Markus.

Weihnachten, Neujahr und Geburtstage sind eh schon mit die anstrengendsten Tage für mich. Am 27. Dezember 2016 habe ich mit dem Sachbearbeiter gesprochen. Nett half er mir, online den Antrag zu stellen mit der Zusage das würde er schon hinkriegen, wenn der Antrag am selben Tag noch in die Post geht. Gesagt, getan. Am 16. Januar 2017 dachte ich mir, dass ein Anruf beim Rententräger sein müsste. Der Sachbearbeiter teilte mir mit, dass er leider nichts für mich tun könne. Die zuständige Referentin habe es nicht erlaubt. Er wollte mich aufmuntern und sagte: „Sie bekommen es ja rückwirkend ausgezahlt“. Ich habe es ihm abgenommen.

Herzlichen Glückwunsch Markus. Das war dein Geburtstagsgeschenk (17. Januar 2017)

Heißt im Umkehrschluss: Seit dem 1. Januar hab ich kein Einkommen mehr. Ich habe Angst zum Arzt zu gehen, wenn die Krankenkasse nicht aufkommt, dann wohl ich. Mich strengen allein die Gedanken über meine soziale Absicherung so sehr an. Zukunftsängste, finanzielle Sorgen und Angst vor gelben Briefen wächst, zieht 24 Stunden, sieben Tage die Woche an mir rum und treibt mich. Das kostet so viel Kraft. Dennoch bin ich dank meiner Tour41 wirklich innerlich zufrieden. Ich habe die beste Familie. Meine Geschwister, mein Sohn, meine Tanten und Onkel, Nichten, Neffen und Freunde sind so stark hinter mir.

Starr vor Angst, wie der kleine Coco, so war mein Spitzname früher, gerate ich in diesen Zustand. Kurzatmig, verkrampft und ein zu enges Korsett. Dann möchte ich weglaufen, nicht auffindbar sein. Wieder unsichtbar, wie in Sentas Hundehütte.

Die Tour41 beflügelt mich, sie gibt Kraft und bestätigt mich.

Das Engagement, dass meine Geschwister, mein Sohn und die Nichten und Neffen an den Tag legen, ist bewundernswert. Danke

Meine Freunde, danke reicht nicht. Ich überlege noch.

Soviel positive Worte und Unterstützung in den Städten wo ich aufschlage. Ich bin berührt, danke.

Die Internet Resonanz, www.tour41.de und fb.me/Tour41 . Es stehen gerade so viele tolle Einladungen an.

Danke an den „Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs“
1. Öffentliches Hearing „KINDESMISSBRAUCH IM FAMILIÄREN KONTEXT“
AM 31. JANUAR 2017
10.30 – 17.00 Uhr, Akademie der Künste
Pariser Platz 4, 10117 Berlin

Und danke an alle Betroffenen für das entgegengebrachte Vertrauen. Ich wünsche euch viel Kraft.

Danke an alle, die hinter dieser Tour41 stehen.

Es ist nicht schlimm durch so ein Tief zu gehen, da kenne ich mich sehr gut aus. Da ist er wieder, der „rote Faden“. Wenn der damit verbundene Stress nicht wäre. Aber wie es immer ist, schreie ich jetzt schon hier. Nur sicher, dass es auch weh tut. So sieht manchmal mein Borderliner aus. Das „über sich ergehen lassen“ ist mit ein Teil, den ich gern in der Trauma-Therapie behandeln lassen würde. Dennoch bin ich zufrieden.

Danke Euskirchen, danke Radio Euskirchen

Vielen Dank an Euskirchen und dem Radio EU. Wir haben viel Unterstützung erfahren. Viele interessante Gespräche und Diskussionen, leider hat auch Euskirchen viele Betroffene und ich hoffe, ich konnte die Fragen ausreichend beantworten. Einen lieben Dank auch an die Stadtverwaltung für die kostenfreie Sondernutzungserlaubnis. Am Mittwoch erscheint ein Artikel im Wochenspiegel  . Vielen Dank an Frau Breuer für das angenehme Gespräch.

Die Aachener Nachrichten über die Tour41

Gestern, am 24. Januar 2017, ist der Artikel über die Tour41 und meinen Weg in Aachen erschienen. Vielen Dank an die Redaktion der Aachener Zeitung, der Aachener Nachrichten und vor allem an den Redakteur Amien Idris. Auch wenn es meine Gesichte ist, hat mich der Schreibstil so sehr berührt. Es kommen laufend Nachrichten von Leserinnen und Lesern mit vielen Wünschen und auch Dank. Vielen, vielen Dank dafür. Das gibt mir Kraft und die Bestätigung, dass der Weg mit der Tour41 der richtige ist. Der Vergleich mit der Flipperkugel passt so genau auf mein Leben. Mein Drang, ständig in Bewegung zu sein, immer auf der Flucht vor den Erinnerungen und dem Anflug von depressiven Episoden. Die 1.000.000 Unterschriften bekommen wir schon zusammen.

Vielen Dank Aachen

Markus Diegmann

Klembrett-Slalom in Bonn 14. Januar 2017

Am Samstag stand ich in Bonn auf dem Münsterplatz, schön an der Fußgängerampel. Gestern, am Sonntag, bin ich in die Rheinaue gefahren. Die Rheinaue ist immer gut besucht.

Es ist unglaublich, was die Enola Gale für’n Magnet zum Hinschauen ist. Menschen bleiben stehen, staunen, andere kommen ins Gespräch. Wenn Menschen jedoch ein Klemmbrett sehen, drehen sie ab oder würdigen einen keines Blickes. So stehe ich oft draußen und beobachte die Menschen, wie sie auf die Enola Gale schauen. Sich umdrehen, schweigen, betroffen davon ziehen. Ich hoffe, dass viele was mitgenommen haben. So war die Ausbeute an Unterschriften aktiv = „0“, dafür bin ich nun mit dem spanischen Elternverein Bonn-Beuel e.V. verknüpft. Ich war selbst in diesem Verein und muss sagen, so gute spanische Tapas findet man selten. Eine offene, familiäre, fröhliche Atmosphäre, wo Kinder auch mal laut sein dürfen und das Essen immer top ist. Vielen Dank an den Vorstand des Vereins. Es ist schön, euch dabei zu haben. Das Ziel kommt Schritt für Schritt näher.

Der Kampf mit den Paragraphenreitern

Wenn der Kampf mit dem Paragraphenreiter nicht wäre…
Meine Welt ist wohl zu einfach für diese Zeit. Ich dachte, ich mache etwas allgemeinnütziges und renne überall offene Türen ein. Dem ist leider nicht so und das zwingt, mal wieder, zum Umdenken meinerseits. Geplant war ja, auf den Hauptplätzen unserer Städte zu stehen, keinen zu nerven und dennoch optisch markant, durch meinen Bus, Menschen auf die ist-Situation des sexuellen Kindesmissbrauchs aufmerksam zu machen. Zu informieren und aufzuklären.

Bis jetzt ist jedoch keine Gemeinde, außer Bottrop, bereit, mir einen Platz mit Publikumsverkehr zu nennen und die Erlaubnis zu erteilen. Manche Gemeinden möchten dann noch gern einen Obolus in Höhe von bis zu 30€ pro Tag zuzüglich Parkgebühren erheben. Wenn ich das für jeden Termin den ich mir eingetragen habe mache, ist meine Rente am 2. des Monats futsch. Die Stadt Bonn macht sogar Geld, indem sie eine Marketing GmbH unterhält. Ich dachte, die Gemeinde ist auch für den Bürger da.

Rückschläge gehören dazu, ich hatte jedoch die Hoffnung, vielleicht eher Naivität, für diese Aufklärungskampagne die Unterstützung der Ämter zu bekommen. Das erschien mir logisch. Diese Aufgabe unterliegt ja normalerweise jeder Gemeinde.

Für meine Tour bedeutet das mehr Flexibilität aufzubringen und mich an verschieden Punkten in den Städten aufzuhalten und aktiv zu werben. Das macht die gesamte Tour zwar aufwändiger, aber ich habe ja eh grad nichts zu tun, außer meinen täglichen Kampf mit der Erinnerung und gegen die Depression. Ich muss zugeben, dass ich Facebook nicht die Zeit gebe, die es benötigt, um eine größere Verbreitung zu bekommen. Meine Kraft lässt es auch einfach nicht zu. Daher meine Bitte an alle, die auf diesem Gebiet Erfahrung haben und helfen, unsere Tour41 noch weiter anzukurbeln.

Vielen Dank
Markus

Die Unterschriften-Jagd ist eröffnet

Nun ist es endlich soweit. Nach nun mehr als drei Monaten auf Pressetour startet am 1. Januar 2017 die Unterschriften-Aktion. Es ist kaum zu glauben, wie sehr Betroffene still und leise leiden und erst an die Oberfläche kommen, wenn sie meinen Wagen sehen.
Es vergeht kaum ein Tag, an dem mich Betroffene nicht ansprechen und um Hilfe und Informationen fragen. Es bedrückt mich, gibt mir Kraft zugleich und zeigt mir, wie sehr es an Akuthilfestellen mangelt. Mich sprach eine Mutter an, deren Sohn missbraucht wurde. Es hat acht Jahre gedauert, bis der Täter zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt wurde. Eine Dame (72) sprach mich an. Sie trägt das Trauma und die Folgeerkrankungen mehr als 6 Jahrzehnte mit sich herum. Ein Tod auf Raten, in beiden Fällen.
Wie kann es sein, dass die Täter gar nicht oder zu solch milder Strafe verurteilt werden?

Ich appelliere an Ihr Herz! Helfen Sie uns, dass nicht noch mehr Kinder so leiden müssen. Jeden Tag 41 Kinder! Ich weiß, dass es schwer ist, sich als nicht Betroffener vorzustellen, dass es Menschen gibt, die nicht wissen, was es heißt, glücklich und zufrieden zu sein. Genauso können wir Betroffene uns nicht vorstellen, wie es ist, eine behütete Kindheit gehabt zu haben.

Über 1.200.000 Opfer, Überlebende und Betroffene in den letzten 50 Jahren sind zuviel. Bitte helfen Sie uns, das Ziel der 1.000.000 Unterschriften zu erreichen. Es ist so einfach, unsere Kinder und Betroffene zu schützen. Wenn jeder auch nur 10 Unterschriften sammelt, schaffen wir unser Ziel.

Unterschriftenliste Drucken

Wenn Sie Picasso und mich sehen, sprechen Sie uns ruhig an. Ich wünsche Ihnen allen ein gesundes und zufriedenes 2017.

Beste Grüße

Markus Diegmann

 

Die wilde „13“

BLZAm 13. Dezember, genau am 25. Todestag unserer Mutter, erscheint ein Artikel über mich und die Tour41 in der Kölner Rundschau. Ich bin begeistert, wieviel Arbeit und Empathie die Redakteure in ihre Arbeit legen. Vielen Dank. Warum so viele Ereignisse, gute als auch schlechte, am 13. Tag kommen – keine Ahnung. Meine lieben Geschwister sind derzeit mit der Vereinsgründung beschäftigt. In Kürze gehen die Unterlagen zum Notar. Dank meiner Geschwister und deren Freunden ist alles schneller von Statten gegangen als erwartet. Super, so schaffen wir unser Ziel – ihr seid super. Unsere Mutter wäre mit einem Lied auf den Lippen dabei.
Ich weiß, dass meine eigene Biographie für die 1.000.000 Unterschriften wichtig ist. Die so genannten Traumafolgestörungen, worunter jeder
traumatisierte Mensch leidet, beinhaltet bei mir, dass ich mich rechtfertigen muss, dass die Scham hoch kommt und mich auffrisst und ich einfach sagen muss: Ich möchte durch die Veröffentlichung kein Mitleid. Das ist mir ganz wichtig.
Mein Traum ist es jedoch, 1.000.000 Menschen zu mobilisieren und genauso viele Unterschriften zu bekommen. Helfen, den Kindern nicht die Zukunft nehmen zu lassen und ein Recht auf eine schöne und sorgenfreie Kindheit zu erhalten. Wir sollten öfters im Alltagsstress innehalten und an
unsere Kinder denken. Den Betroffenen, Opfern und Überlebenden möchte ich zur Seite stehen, eine Perspektive aufbauen und helfen, mit der neuen Situation umzugehen. Dazu können Sie mich gerne jederzeit kontaktieren.

Frei und ungebunden, blöd nur, dass die Erinnerungen immer mitfahren.

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Seit dem 29.10.16 sind wir nun Nomaden und in unserem neuen Zuhause haben wir uns sehr schnell und super eingelebt. Unsere Enola hält bis dato allen Witterungen stand und wir sind völlig autark unterwegs. Wir haben eine tolle Zeit bei Freunden verbracht und die haben eine Menge Unterschriften auf der Enola hinterlassen. Wir sind von Wipperfürth aus Richtung Marburg gefahren, von dort über Mühlhausen nach Ravensburg und Salem. Weiter über Landsberg am Lesch nach Penzberg und an den Chiemsee. Dann München, Feucht und ein langes Wochenende in Nürnberg. Jeden Tag bekommen wir so viele Nachrichten von Menschen, die den Bus gesehen, einen Artikel gelesen oder im Netz was gefunden haben und wünschen uns allen möglichen Erfolg. Das gibt mir soviel Kraft und bereitet mir eine Gänsehaut.

Vielen Dank dafür.

Neuer Pressebericht in der Oberhessischen Presse

Oberhessische Presse 16-11-15

Die Oberhessische Presse berichtete über die Tour 41. Das Interview war anstrengend, aber es hat sich gelohnt und der Artikel ist wirklich gut geworden. Den Artikel gibt es hier zu lesen:

http://www.op-marburg.de/Lokales/Marburg/Nur-in-der-Hundehuette-gab-es-Schutz

 

Beschriftet und getauft, die „Enola Gale“

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Unglaublich, endlich ist unser Zuhause beschriftet. Danke Rheinhard, www.der-Schriftenmaler.de, super Arbeit und vielen Dank für deine Unterstützung. Der Name musste jetzt her, für mich hat jetzt das ganze Projekt sein Gesicht. Der Name Enola kommt aus dem Indianischen und heißt alone (allein), andere sagen der Name kommt aus der Umkehr von dem Wort „alone“. Mir ist es Hupe, mir war aber wichtig, dass was Weibliches zu uns stößt. Und mir gefällt der Name Gale. Ich kann nach den ersten Kilometern sagen, dass der Wagen auffällt. Kaum in der Bäckerei die Bestellung aufgegeben, sprach mich ein Mann an, ob ich den Wagen fahren würde, ich nickte. Er meinte, es fehlt, dass in der Kirche Kinder missbraucht werden und verabschiedete sich mit einem:“Viel Erfolg!“