Hilfetelefon, Hilfeportal
Fonds sexueller Missbrauch
OEG (Opferentschädigungsgesetz)
Diagnose Komplexe PTBS und mehr (6B41/ICD11)

Booklet Hilfetelefon Sexueller Missbrauch

Das „Hilfetelefon Sexueller Missbrauch“ ist die bundesweite, kostenfreie und anonyme Anlaufstelle für Betroffene von sexueller Gewalt, für Angehörige sowie Personen aus dem sozialen Umfeld von Kindern, für Fachkräfte und für alle Interessierten. Es ist eine Anlaufstelle für Menschen, die Entlastung, Beratung und Unterstützung suchen, die sich um ein Kind sorgen, die einen Verdacht oder ein „komisches Gefühl“ haben, die unsicher sind und Fragen zum Thema stellen möchten.

Die Frauen und Männer am Hilfetelefon sind psychologisch und pädagogisch ausgebildet und haben langjährige berufliche Erfahrung im Umgang mit sexueller Gewalt an Mädchen und Jungen. Sie hören zu, beraten, geben Informationen und zeigen – wenn gewünscht – Möglichkeiten der Hilfe und Unterstützung vor Ort auf.

Jedes Gespräch bleibt vertraulich. Der Schutz der persönlichen Daten ist zu jedem Zeitpunkt garantiert.

Sprechzeiten:
Montags, mittwochs und freitags:          9 bis 14 Uhr
Dienstags und donnerstags:               15 bis 20 Uhr
(Das Telefon ist nicht an Feiertagen und nicht am 24. und 31. Dezember besetzt).

Anfragen können auch postalisch oder per E-Mail an Beraterinnen und Berater des Hilfetelefons gestellt werden.
E-Mail: [email protected]

Alternativ kannst du dich auch auf dem Hilfeportal u. a. über Fachberatungsstellen und anderes in deiner Nähe informieren.

Fonds Sexueller Missbrauch im familiären und institutionellen Bereich

Betroffene sexuellen Missbrauchs im Kindes- oder Jugendalter im familiären und institutionellen Bereich können Anträge auf Hilfeleistungen aus dem Ergänzenden Hilfesystem an die Geschäftsstelle des Fonds Sexueller Missbrauch stellen .

Antrag Fonds sexueller Missbrauch im familiären Bereich (Stand: Juli 2019)

Antrag Fonds sexueller Missbrauch im institutionellen Bereich (Stand: Juli 2019)

Leitlinien zur Gewährung von Leistungen aus dem Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich

Kontakt Fonds Sexueller Missbrauch

Wenn Sie Fragen zum Thema sexueller Missbrauch haben, allgemeine Auskünfte zur Antragstellung beim Ergänzenden Hilfesystem wünschen oder Informationen zu Beratungsangeboten und Hilfe bei der Suche nach einer geeigneten Psychotherapeutin bzw. einem geeigneten Psychotherapeuten benötigen, wählen Sie bitte die kostenlose Telefonnummer
0800 400 10 50.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von N.I.N.A. e.V. - Nationale Infoline, Netzwerk und Anlaufstelle zu sexueller Gewalt an Mädchen und Jungen - sind erfahrene Fachleute aus den Bereichen Psychologie und Sozialpädagogik.
0800 400 10 50
Sprechzeiten
Montags:             9:00 Uhr - 14:00 Uhr
Dienstags:          15:00 Uhr - 20:00 Uhr
Mittwochs:           9:00 Uhr - 14:00 Uhr
Donnerstags:        15:00 Uhr - 20:00 Uhr
Freitags:            9:00 Uhr - 14:00 Uhr

Jedoch nicht an Feiertagen und am 24. und 31. Dezember
Wenn Sie konkrete Fragen zu Ihrem Antrag haben, wählen Sie bitte die Telefonnummer: 030 18555-1988.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstelle Fonds Sexueller Missbrauch beraten Sie gerne: 030 18555-1988
Sprechzeiten
Dienstags:          9:00 Uhr - 15:00 Uhr
Mittwochs:          9:00 Uhr - 15:00 Uhr
Donnerstags:        9:00 Uhr - 15:00 Uhr

Jedoch nicht an Feiertagen und am 24. und 31. Dezember
Kennst du das OEG?

Schon vor einigen Jahren wurde eine Reform des Sozialen Entschädigungsrechts angekündigt, zu dem auch das Opferentschädigungsgesetz gehört. Vor dem Jahr 2024 wird eine Neufassung jedoch voraussichtlich nicht in Kraft treten. Nach unseren neuesten Infos aus Berlin ist zu befürchten, dass die Neufassung eher ungünstiger für die Entschädigung Betroffener ausfällt als die jetzige Lösung.

Die aktuelle Gesetzeslage zum OEG stellt sich wie folgt dar:
Personen, die durch eine Gewalttat eine gesundheitliche Beeinträchtigung erlitten haben, können nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG) auf Antrag Heilbehandlungs-, Renten- und Fürsorgeleistungen erhalten. Anspruchsberechtigt sind Geschädigte und Hinterbliebene (Witwen, Witwer, Waisen, Eltern).

Ein Anspruch setzt voraus, dass eine Person durch einen vorsätzlich begangenen rechtswidrigen Angriff oder bei dessen rechtmäßiger Abwehr eine gesundheitliche Schädigung erlitten hat. Eine Verurteilung ist nicht erforderlich.

Wie und wo wird der Antrag gestellt?
Der Entschädigungsantrag kann wie folgt gestellt werden:
Formlos oder mit Formularen der Landesversorgungsbehörden oder mit Hilfe des bundeseinheitlichen Antragsformulars.

Bei einer Gewalttat im Inland können Betroffene den Antrag bei der Versorgungsbehörde des Bundeslandes stellen, in dem sich die Tat ereignet hat.
Umfangreiche Informationen zum OEG und den jeweils zuständigen Behörden gibt es hier: http://www.bmas.de und hier: https://beauftragter-missbrauch.de

Was ihr aus vielfacher Erfahrung beachten solltet:

Sowohl bei Antragstellung für das OEG, als auch bei Anträgen an den Fonds sexueller Missbrauch muss man mit einer sehr langen Bearbeitungszeit rechnen.

Beim Fonds Sexueller Missbrauch gibt es seit April 2019 neue Standards. Das lässt auf Besserung hoffen.

Insbesondere ein Antrag im Rahmen des OEG bedeutet aufgrund der hohen Standards hinsichtlich der Prüfung auf Plausibilität und Begutachtung sowie Offenlegung der gesamten persönlichen Erfahrungen in Bezug auf die Tat, eine große Belastung für den Antragsteller. Die meisten Antragsteller aus dem Bereich Sexuelle Gewalt scheitern beim OEG an den hohen Hürden der Beweispflicht und Glaubwürdigkeit. Entscheidet selbst. Wenn ihr stabil seid und eure Hoffnungen in Grenzen haltet, dann versucht es auf jeden Fall.

Die Kritikpunkte der gängigen Praxis sind dem Gesetzgeber hinlänglich bekannt. Erst im September 2018 wurde unserer Familienministerin Frau Giffey eine lange Liste der reformbedürftigen Punkte durch Ingo Fock und Kerstin Claus im Rahmen des Kongresses MitSprache des Betroffenenrates übergeben. Im Rahmen eines Workshops waren wir an der Erstellung der Forderungen beteiligt. Frau Giffey versprach, sich für die Umsetzung einzusetzen. Dennoch wird mit einer evtl. Verschlechterung der Bedingungen gerechnet. Grund hierfür ist ein vorliegender Gesetzesentwurf, der auf das Ergebnis schließen lässt.

Magazin “Betrifft: Alle” des Betroffenenrates

Welche Diagnose ist die richtige?

Folgen schwerer Traumatisierungen – klinische Bedeutung und Validität der Diagnose komplexe posttraumatische Belastungsstörung

Dr. Martin Sack Komplexe PTBS 2005

“Das Symptomspektrum von Patienten mit schwersten und langanhaltenden Traumatisierungen wird durch die Diagnosekriterien der posttraumatischen Belastungsstörung nur unzureichend beschrieben. Ergänzend wurde daher von einer Arbeitsgruppe um Judith Herman und Bessel van der Kolk die Diagnose der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung vorgeschlagen …”

Ein erlebter sexueller Missbrauch in der Kindheit ist immer ein traumatisches Erlebnis. Eine Vielzahl der Taten kommt erst nach vielen Jahren ans Licht. Durch Tatdynamiken, Täterstrategien und kindliche Schutzfaktoren bedingt, hat die/der Betroffene meist keine frühzeitige Hilfe erfahren. So wird aus dem Erlebten auf Dauer ein chronisch komplexes Trauma, aus einer PTBS eine chronisch komplexe PTBS. Dies zu wissen ist der erste Schritt zur richtigen Diagnose und zur adäquaten Hilfe.

Dieser Tatsache trägt nun endlich nach Jahren der neue ICD 11 Rechnung:

Dr. Jan Gysi: Die aktualisierten Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation. Auswirkungen auf Therapie und Strafverfolgung.

Häufig wird von Ärzten/Therapeuten die Diagnose “Borderline” gestellt. Hat der Patient jedoch mehrfache Traumatisierungen (oft in der Kindheit) erfahren, so liegt meist eine Kompelxe PTBS vor.