Warum die Tour so wichtig ist

Erst im Jahr 2010, als die große Enthüllungswelle über Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch in der Institution Kirche und vielen anderen öffentlichen Einrichtungen an die Oberfläche der Berichterstattung gespült wurde, schuf man das Amt des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung. Der Fond sexueller Missbrauch wurde gegründet und an vielen runden Tischen über mögliche Hilfen für Opfer beraten. 8 Jahre später sind wir nur ein kleines Stück weiter gekommen. Die bürokratischen Hürden für Opfer sind immer noch viel zu hoch, das Schweigen zum Tabuthema immer noch in der Gesellschaft weit verbreitet.

Das sexueller Kindesmissbrauch aber nach wie vor erschreckend häufig und quer durch alle Gesellschaftsschichten stattfindet, glauben und wissen die wenigsten. Viele denken es handle sich um eine seltene Randerscheinung, weit weg vom eigenen Umfeld.

Dennoch, ein Anfang ist gemacht. In vielen öffentlichen Einrichtungen und Institutionen der Kirche hat man verplichtend Strategien zur Prävention und Handlungsempfehlungen zum Krisenmanagement entwickelt. Schulen sind dazu angehalten, Risikoanalysen druchzuführen und ein Schutzkonzept zu entwickeln.

Schutz, Prävention und Hilfe, Intervention im Ernstfall, können nur gelingen, wenn wir endlich aufwachen und eine breite Masse der Gesellschaft sensibilisiert wird. Hinschauen, Verantwortung übernehmen, wohl überlegtes und kompetentes Handeln ist gefragt.

Der Missbrauch im eigentlich geschützten Rahmen von Familie und sozialem Umfeld führt leider die Statistik an. Hier sind die Kinder erst recht hoffnungslos und schutzlos ausgeliefert und zum Schweigen verdammt.

Unser Rechtssystem kann oft nicht greifen – denn wo kein Kläger und keine Beweise, da kein Richter.

Unsere Waffe ist die Information. Information, Aufklärung, Sensibilisierung und Empathie können erheblich dazu beitragen, das Thema zu enttabuisieren. Täterstrategien begreifen, Psychodynamiken der Opfer verstehen. Kindern schon in Kindergarten und Schule altersgerecht vermitteln, was Grenzverletzungen sind und wie man damit umgehen kann. Hilfestellung und Beratung bei Unsicherheiten anbieten. Sind diese Voraussetzungen geschaffen, fällt es Opfern vielleicht ein wenig leichter, ihr Schweigen zu brechen.
Das ist unsere Hoffnung und darum ist die Tour so wichtig.

Mein Bruder hat nach 20 Jahren sein Schweigen gebrochen. 2007 war Kindesmissbrauch noch nicht im Fokus der Öffentlichkeit. Die Welle der Enthüllungen begann erst 2010. Manchmal frage ich mich: Wenn wir damals auf dem Wissensstand von heute gewesen wären; wenn er sich nicht so verdammt allein vorgekommen wäre und von vielen anderen Betroffenen gewusst hätte, hätte er sich dann helfen lassen? Wenn er in der Schule etwas über persönliche Grenzen gelernt hätte, über Kinderrechte und die Grenzen, die Erwachsene einhalten müssen; hätte er dann als Kind trotzdem geschwiegen? Leider hat er uns nur 6 Wochen Zeit gegeben, nachdem er uns vom Missbrauch in der Pfadfindergruppe berichtet hatte. Wir fanden keine adäquate Hilfe. Seine Seele war zu schwer verletzt und er hat sich am 11.08.2007 entschieden, diese Welt zu verlassen. Ich habe noch so viele Fragen … Aber ich glaube, er weist uns jetzt den Weg …

Geht den Weg mit uns – es geht uns ALLE an!

Eure Steffi

#MeToo, Times up und die Tour41 – #JaIchBin

Warum ist es so schwer, die 41 angezeigten Fälle von schwerem sexuellen Kindesmissbrauch pro Tag als Thema gesellschaftsfähig zu machen, wo doch #MeToo und Times Up so populär sind? Haben es die Kinder nicht verdient? Haben es die Überlebenden, Opfer und Angehörigen nicht genauso verdient durch alle Medien vertreten zu werden? Wer gibt den Kindern seine Stimme, wer steht für sie ein?

Mich stimmt es traurig, dass Prominente so viel Aufmerksamkeit bekommen und kaum einer an die Kinder und die erwachsen gewordenen Opfer denkt. Jeden Tag erreichen mich Nachrichten von Betroffenen. Menschen outen sich bei mir, wenn ich meine Geschichte erzähle oder wenn ich Unterschriften sammle. #JaIchbin ist ein Hashtag für alle Betroffenen, alle Überlebenden, alle Opfer und Angehörigen.

Der Begriff „Überlebender“ beschreibt genau den Zustand, in dem sich ein sexuell missbrauchtes Kind, das erwachsen geworden ist, befindet.

Überlebende sind unglücklich, weil sie intuitiv wissen, dass sie sich bloß über Wasser halten, statt ihre Möglichkeiten für ein zufriedenes und lohnendes Dasein auszuschöpfen. Glück und Erfüllung sind unmöglich, wenn der Körper und Geist darauf gedrillt sind, im Alarmzustand zu verharren.

Solange wir alle die Gesellschaft nicht erreichen und darauf aufmerksam machen, dass wir so viele Betroffene sind und genau so viel Öffentlichkeit und prominente Unterstützung brauchen wie #MeToo und Times up, wird sich nichts ändern. Das Schweigen könnte mit einer Welle wie bei MeToo oder Times up endlich gebrochen werden.

Die Tour41 ist noch lange nicht am Ende. Steh mit uns auf, erhebe deine Stimme, auch wenn du nicht betroffen bist.

Herzlichen Dank

Picasso & Markus

Der Tourplan im ersten Halbjahr steht

Der Tourplan steht und viele Städte haben uns die Erlaubnis erteilt. Nicht immer ganz kostenfrei. Leider gibt es Städte, die zu hohe Kosten berechnen, sodass wir leider nicht immer dahin kommen, wo wir es uns wünschen. Dennoch sieht es jetzt gut aus. Start der März-Tour ist Münster, über Aschaffenburg, Würzburg, Nürnberg bis Erlangen. Die April-Tour geht von Kürten (Stoning Roll) über Kassel, Siegen, Duisburg bis Mayen.

Weitere Termin finden Sie hier:

Auf Instagram gibt es Bilder vom letzten Jahr, jeder Tourstopp ist hier zu sehen, es lohnt sich mal zu stöbern. Hier der Link:

Tourdaten in fester Reihenfolge: Münster, Kürten, Aschaffenburg, Würzburg, Nürnberg, Erlangen, Kürten, Kassel, Siegen, Duisburg, Mayen, Kürten, Kaiserslautern, Darmstadt, Karlsruhe, Saarbrücken, Oer-Erkenschwick. Geplant für das 2. Halbjahr: Coesfeld, Wipperfürth, Emden, Norddeich, Oldenburg, Bremen, Lüneburg, Berlin, Leipzig, Dresden, Chemnitz, Jena, Weimar, Erfurt, Eisenach, Bad Hersfeld, Kassel, Göttingen, Duderstadt, Bielefeld, Dortmund

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