Step by step, mein Traum wird wahr …

Zufälle gibt es Tag für Tag, doch wenn aus einem Zufall eine Bewegung entsteht, ist es schon besonders. So auch in meinem Fall. Mehr als 10 Monate kämpfe ich nun schon als Vereinsneuling darum, die richtige Satzung aufzustellen und für die Ziele und aktuellen Aktionen meines Vereins ein festes Fundament zu schaffen . Meine Herzensangelegenheit ist die Vision von flächendeckender Akuthilfe für Überlebende und Opfer sexuellen Kindesmissbrauchs, die erwachsen geworden sind. Nach dem Motto, Betroffene helfen Betroffenen, denn die Politik und die Gesellschaft sehen uns nicht … „was nicht sein kann, was nicht sein darf“.

Für eine Unterschriftenaktion am 2. Juli 2017 war ich mit meinen Geschwistern auf dem Hansefest in Wipperfürth zu Gast, um gegen die Verjährungsfrist bei sexuellem Missbrauch an Kindern Unterschriften zu sammeln. Mein Bruder lernte dort Steffi & Ela kennen. Deren Bruder nahm sich genau 41 Tage nach seinem coming out das Leben, nur weil keine Akuthilfe in unserem Land gegeben ist. Steffi & Ela haben, aufgrund des Besuches an unserem Stand in Wipperfürth, eine Jahresgedenkanzeige an ihren geliebten Bruder im Bergischen Handelsblatt und im Kölner Stadtanzeiger aufgegeben, mit dem Hinweis, die Tour41 zu unterstützen. Mich hat diese Anzeige bewegt, mich persönlich bei den beiden zu bedanken. Seither geht es Schlag auf Schlag und der Verein Tour41 e.V. war geboren. Ela als Bilanzbuchhalterin und jetzige Kassiererin  und einem riesen Know How an Vereinswesen, zimmerte mit ihrer Schwester Steffi, heutige Schriftführerin,  die Satzung, Zielführung und den Zweck  zusammen, so dass wir binnen drei Wochen die Gemeinnützigkeit und Vereinseintragung beim Amtsgericht Köln unter der Nummer „Nr. 19474“ erhalten haben.

Mir fehlen wirklich die Worte, so viele positive Ereignisse und der Weg zur Akuthile ist angelegt. Ich kann nur empfehlen, unsere Seite im Auge zu behalten. Wir können nicht therapieren – aber wir möchten dich auffangen und dir helfen, die Welt wieder richtig zu drehen und Perspektiven zu schaffen.

Danke an alle

Picasso & Markus

Unsere aktuellen Anliegen:

• Aufklärung und Information der Öffentlichkeit zur Enttabuisierung der  Themen sexueller Kindesmissbrauch und sexualisierte Gewalt

• Herbeiführung von Gesetzesänderungen (insbesondere Abschaffung der Verjährungsfrist bei sexuellem Kindesmissbrauch)

• Mitwirkung an der Durchführung von Präventionskonzepten für Erwachsene zum Thema Kindesmissbrauch (z. B. für Eltern und pädagogische Fachkräfte)

Unsere langfristigen Projekte:

• Aufbau von Akuthilfemaßnahmen für erwachsene Opfer sexueller Gewalt und Missbrauch in der Kindheit sowie Unterstützung hilfsbedürftiger Personen

• Schaffung von Beratungsstrukturen für Betroffene und Angehörige

Um diese Ziele zu erreichen, müssen wir zusammenstehen! Jeder von uns kennt Kinder und heute Erwachsene, die von sexuellem Missbrauch und Gewalt betroffen sind!

„Auch du kannst etwas tun – es geht uns alle an!“

Formulare zu Mitgliedschaft und Spenden sowie Informationsmaterial finden Sie hier

Luxus-Platte & die Angst vorm Absturz

Oft werden Menschen, die auf der Straße leben, kein Zuhause oder gar eine Familie an der Seite haben, verurteilt: „Penner, geh doch arbeiten!“ und, und, und.

Der Absturz, so tief zu fallen und von der Gesellschaft ignoriert und beschimpft zu werden, ist gar nicht so weit weg. Betroffene und Überlebende sexuellen Missbrauchs und Gewalt in der Kindheit stehen oft an diesem Abgrund. Frag lieber, wie groß mag sein Rucksack sein? Wenn du jemanden siehst, der auf der Straße lebt, dann denk an diese Frage.

Ich lande dann immer bei meinem „Roten Faden“. Er zieht sich durch mein ganzes Leben. Ohne meine Überlebensstrategie und meine Freunde Gudrun und Tom wäre ich schon auf Platte unterwegs. Ganz sicher. Seit meinem Traumaausbruch, das ist jetzt 4,5 Jahre her, plagt mich die Existenz- und Zukunftsangst. Als hätte ich nicht schon genug zu schleppen! Angst ist ein sch… Gegner, der raubt mir alle Kräfte und lähmt mich.

Mein Antrag auf Hilfeleistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz läuft nun schon seit dem 15.10.2015. Ich höre an allen Stellen von Betroffenen, dass sie an den Rand ihrer Kraft gebracht werden, und das, um Hilfe zu erfahren. Die Täter genießen unbestraft ihren Ruhestand und die Opfer stehen im Regen, kämpfen jeden Tag auf’s Neue ums Überleben. Mich wundert es nicht, dass so viele Betroffene die Kraft verlieren und sich aufgeben.

Herzlichst

Picasso & Markus

1 Jahr, 1 Woche & 1 Tag auf Tour41

Nach zwölf Monaten Reise durch’s Land habe ich viele Menschen getroffen, Hürden genommen, Höhen und Tiefen durchwandert. Mich verausgabt und dem blöden Borderliner zu viel Freiraum gegeben. Letzten Endes habe ich mich in meine alte Überlebensstrategie zurückgebombt. Vollgas, immer an die Grenzen, leider manchmal ein Stück zu weit raus. Ich habe Depressionen ausgelebt und bekämpft, mir zwei Rippen gebrochen, naja und die alten Krankheiten laufen auch noch mit.

Die vielen Zusprüche und Danksagungen. Die vielen Betroffenen, die bei mir waren. Lebensgeschichten, die mich tief berühren, mich erschüttern und traurig machen. Die mir aber auch sehr viel Kraft geben und mir zeigen, dass es wichtig ist, die Tour41 gestartet zu haben. Aber wie kann es jetzt weitergehen? Es reicht nicht, wenn 1 Mensch aufsteht. Die Gesellschaft ist gefragt, aber wie erreicht man die? Menschen laufen an der „Enola Gale“ vorbei, ohne ein Wort zu sagen. Spricht man sie an, ist es auch falsch. Seit zehn Wochen habe ich nun die Onlinepetition unter Change.org laufen, bis jetzt ~600 Unterzeichner. Ist es wirklich ein so langer Weg? Wie lange kann ich die Tour noch machen? Wann sind meine Grenzen erreicht? Ich habe es mir tatsächlich einfacher vorgestellt. Ich gebe zu, ich bin etwas naiv und einfach gestrickt.

Herzlichst

Markus & Picasso

Picasso

SWR Zusammenschnitt