Der Traum von wehenden Fahnen

Seit dem Schützenfest kämpfe ich mit mir, wie ich auf den für mich empfundenen Tiefschlag, nicht auf dem Festgelände willkommen zu sein, reagieren soll. Mir ist jedoch klar geworden, dass Ihr euch nicht vorstellen könnt, was es für mich bedeutet in den Ort des ersten Missbrauchs zu kommen. Welche Kämpfe ich austragen muss, wenn ich mit meiner Vergangenheit so konfrontiert werde bzw. mich ihr aussetze.

Wipperfeld war der erste Termin in meinem Kalender als ich die Tour41 plante. Auch wenn ich schon im Ansatz das Grollen meines Bauchhirns vernommen habe, war es der erste wichtige Termin. In den letzten Wochen vor dem Schützenfest wurde das Unwohlsein diese Tage aushalten zu müssen größer und schwerer für mich, jeden Tag mehr. Mein Sinn und Ziel war es, Wipperfeld mit wehenden Fahnen zu verlassen und einen (Teil-)Abschluss für mich zu finden. Die dahmalige Flucht mit etwas Gutem zu überschreiben. Das ist gehörig in die Hosen gegangen…

Das ich mein Tour41-Mobil als Rückzugsort benötige, konnte keiner wissen. Wenn die „Enola Gale“ nicht auffahren darf, dann kann ich es auch nicht. Wir kämpfen für 41 Kinder jeden Tag, auch für eure! Sexueller Kindesmissbrauch ist ein schreckliches Thema, ja. Umso wichtiger ist es, endlich aufzustehen, nicht länger wegzugucken und aktiv zu werden. Mir wurde mal gesagt, dass dieses Thema nicht zu Festen, Feiern oder verschiedenen Themen passen würde. Mir bleibt da die Spucke weg. Meine Erfahrung zeigt, es feiert sich viel besser mit einer guten Tat oder mit dem guten Gefühl, für etwas einzustehen.

Vielen Dank an die Unterstützer in Wipperfeld und danke für die vielen Unterschriften. Helft uns das Schweigen zu brechen, jeder kennt ein Missbrauchsopfer, auch Du!

Picasso & Markus